»Deine Kinder?« fragte der Missionar.

»Ja,« sagte sie, die magere Hand auf ihre welke, runzlige Brust legend, »meine eigenen Kinder, drei Söhne und zwei Töchter. Sie sind dorthin gegangen, nach jenen blauen Bergen und haben mich hier zurückgelassen, um zu sterben.«

»Und warum haben sie dich verlassen? Ich bitte dich, sage es mir!« rief der Missionar voller Entsetzen, indem er seine Hände faltete.

»Ich bin alt,« sagte sie, »und ich bin nicht mehr kräftig genug, ihnen zu dienen. Wenn sie auf die Jagd gehen, kann ich nicht mehr das Fleisch nach Hause tragen, weil ich zu schwach bin. Ich kann kein Holz mehr sammeln, um Feuer zu machen und ich kann auch ihre Kinder nicht mehr wie früher auf meinem Rücken tragen.«

Als das alte Weib so sprach, blickte der Missionar gen Himmel und weinte laut. »O Heidentum!« rief er, »o Heidentum! O du Heiland aller Menschen, laß deine Liebe zu diesem armen, unseligen Volke kommen!«

Auch Pieter Maritz konnte seine Bewegung nicht verbergen, und obwohl ihm die Zunge vor Hitze und Durst am Gaumen klebte, rann ein Strom von Thränen über seine Wangen. Nur die Zulus blickten unbewegten Auges auf die Scene und betrachteten die Thränen der Weißen mit verächtlicher Verwunderung.

»Ich bin erstaunt, dich hier lebend zu sehen,« sagte der Missionar von neuem zu der Alten. »Denn es gehen Löwen hier umher und müssen dich längst bemerkt haben.«

Die alte Frau faßte die Haut ihres linken Armes mit den Fingerspitzen und zog sie empor, als sei es lockeres, leichtes Gewand. »Ich habe die Löwen gehört und gesehen,« sagte sie, »aber es ist nichts an mir, was sie fressen möchten.«

Der Missionar griff in die Tasche und holte ein Stück Maiskuchen und gedörrtes Fleisch hervor. »Nimm dies, meine Mutter,« sagte er, »und iß. Wir wollen dich nicht sterben lassen, du sollst nicht hier bleiben. Wir wollen dich mit uns nehmen und für dich sorgen.«

Die Alte nahm die Lebensmittel, aber als sie die Worte des Missionars hörte, fing sie vor Angst zu zittern an. »Ich will nicht mit,« sagte sie flehend, »laßt mich hier. Es ist so unsere Sitte, ich bin auch schon beinahe tot, ich will nicht das Sterben noch einmal anfangen.«