»Ich sehe da unten noch mehrere Leute, die sich bewegen,« sagte Baas van der Goot, indem er sich auf die Büchse lehnte und das weiße Haupt mit dem Ausdruck der Mißbilligung schüttelte. »Die jungen Leute sind immer zu hastig und nehmen sich keine Zeit, ordentlich zu zielen. Siehst du, Pieter Maritz, du mußt von unten auf der Knopfreihe, die du doch deutlich sehen kannst, hinaufziehen, und wenn du am obersten Knopf angekommen bist, dann läßt du mit gestrichenem Korn los. Dann triffst du in dieser Entfernung allemal in den Kopf. Liegen die Leute aber und kannst du die Köpfe nicht sehen, so zielst du auf den Helm. Wir dürfen nicht vergessen, daß es Christen sind, und es ist Sünde, die Leute lange zappeln zu lassen.«
Pieter Maritz wußte, daß der Vorwurf des alten Mannes nicht gerechtfertigt war, aber er antwortete nichts, sondern bezeugte dem Baas den schuldigen Respekt. Der alte Mann liebte es, die Jugend zu tadeln, und im Schießen konnte niemand ihm Genüge thun. Er war rechthaberisch und tadelsüchtig im Alter geworden, aber Pieter Maritz ehrte das Alter und schwieg.
»Ach, was ist das doch für eine schlimme Sache, daß so viel Blut fließen muß!« sagte ein anderer alter Buer. »Wenn doch nur die Engländer umkehren wollten, damit wir Frieden hätten! Gewiß weiß die Frau Königin gar nicht, was ihre Soldaten hier beginnen. Denn ich habe immer gehört, daß sie eine fromme und gute Frau ist, und sie wird nicht wollen, daß friedliche Christen mit Ungerechtigkeit bedrückt werden.«
»Seht da,« sagte Baas van der Goot, »sie fangen von neuem wieder an.«
In der That nahm das Gefecht, das beinahe aufgehört zu haben schien, jetzt wieder einen lebhafteren Fortgang. Doch erschienen keine neuen Angreifer in der Front, sondern jetzt entspann sich in weiter Entfernung, wo die Hauptmasse des kleinen englischen Heeres stehen mußte, ein Kampf nach den Flanken hin. General Colley schien sich, wie es Pieter Maritz vorkam, von den Buernscharen, die zu beiden Seiten des Passes lagen, bedrückt zu fühlen und wollte sich vermutlich in dieser Umklammerung Luft verschaffen.
Starkes Schießen war zu vernehmen, und unzählige kleine Rauchwölkchen stiegen aus dem dunklen Hintergrunde auf, der das Thal in südlicher Richtung abschloß. Die Höhen unmittelbar an der Landstraße wurden lebhaft; dort, wo die Tirailleurs schon seit längerer Zeit sich mit den Buern auf den entfernteren Höhen herumgeschossen hatten, tauchten nun zahlreichere bewegte Punkte auf, und es klang, indem auch von Buernseite häufiger geschossen wurde, wie ein scharfes Gefecht. Genau war von der Terrasse aus, wo Pieter Maritz stand, der Verlauf des Kampfes nicht zu übersehen, doch wurde aus den Linien des Pulverrauchs deutlich, daß das Gefecht nach kurzem Anlauf von seiten der Engländer wieder zum Stehen kam. Es war den englischen Schützen nicht möglich, Terrain zu gewinnen, sondern sie blieben auf die Umgebung der Straße beschränkt. Die Buern aber kamen ihren Feinden auch nicht näher. Die Plätze an den umgebenden Berghängen, von denen der blaugraue Rauch aufstieg, blieben dieselben. Die Buern bewahrten ihre sicheren Stellungen und kamen nicht herab. Sie wollten offenbar nur den Angriff der Engländer zurückweisen, aber nicht sich selbst den feindlichen Schüssen aussetzen, indem sie herabstiegen.
So dauerte das Schießen mehrere Stunden lang, ohne daß das Bild sich veränderte; dann aber ließ das Feuern auf englischer Seite nach, und Pieter Maritz sah einen weißen Fleck in der Nähe der Landstraße erscheinen.
»Was mag das sein, mein Junge?« fragte Baas van der Goot. »Siehst du dort das Weiße?«
»Es scheint mir eine weiße Fahne zu sein,« antwortete Pieter Maritz. »Vielleicht wollen die Engländer sich ergeben oder Unterhandlungen anknüpfen. Sie haben die Gewohnheit, einen Offizier mit einer weißen Fahne und von einem Trompeter begleitet, abzuschicken, wenn sie zu unterhandeln wünschen.«
Das Schießen von Buernseite erstarb allmählich, als die Fahne sich gezeigt hatte, und nun näherte sich diese auf der Landstraße. Ein Dragoneroffizier erschien, der an der Spitze seines hoch geschwungenen Säbels ein weißes Tuch schwenkte, und dann ertönte der durchdringende Schall der Trompete, welche ein Reiter hinter dem Offizier blies. Pieter Maritz erkannte in dem Offizier den Lord Adolphus Fitzherbert.