»Ach, Adolphus, sei nicht betrübt,« sagte Pieter Maritz gutmütig tröstend. »So ist das Kriegsglück: heute mir, morgen dir. Das haben wir beide doch schon längst erfahren. Ist doch auch Baas van der Goot gefallen, dessen Tod mich schwer betrübt. Sieh, da ist dein Pferd ja mitgelaufen. Setze dich darauf und sei mir nicht mehr böse.«
»O, dies ist eine unerträgliche Schande!« rief der Lord. »Ich sehe es ganz klar: ihr Buern seid uns überlegen. Ich wollte, du hättest mich umgebracht, anstatt mich so zu behandeln, Pieter Maritz. Dies ist ein Krieg voll Unglück. Ihr habt uns bei Langes Nek zurückgeworfen, heute versperrt ihr uns den Rückzug. Englands Ehre ist in diesem vermaledeiten Gebirge einem Haufen Bauern ausgeliefert.«
Aber Pieter Maritz hörte nicht auf, den Freund zu trösten, und machte ihn auf die Gefahr der Lage aufmerksam. »Wir sind hier inmitten beider Parteien,« sagte er, »und könnten unversehens Kugeln bekommen. Komm mit, Adolphus, ich bringe dich in Sicherheit.«
Der Lord stieg zu Pferde, und beide ritten im schnellsten Laufe ihrer Pferde davon. Pieter Maritz führte den Freund zu der Buernschar, wo bereits die Flüchtlinge vom Ingogo angekommen waren und die Trauernachricht vom Falle des Baas van der Goot und zweier andern Buern verbreitet hatten. Der Lord blieb als Gefangener bei den Buern, deren Führung jetzt Klaas Buurman übernahm.
Zwei Reihen von kahlen Hügeln zogen sich nördlich von Schains Hoogte, einer aus wenigen Häusern bestehenden Farm, hintereinander hin und liefen quer über die Straße, auf welcher die Engländer kommen mußten. Diese Hügel boten den Buern eine gute Position für ihre beabsichtigte Gegenwehr. Hundert Reiter brachen auf und wandten sich nach der vorderen Hügelreihe hin, zweihundert wandten sich zu der rückwärtigen Reihe, um als Unterstützung für die vordere Linie dienen zu können. Pieter Maritz gehörte zu der kleineren Schar, während Lord Fitzherbert mit der Hauptmasse ritt. Von dem Platze aus, wo sie gelagert hatten, ritten sie abwärts, stiegen dann wieder eine sanfte Anhöhe hinan und verteilten sich zu einer langen Linie, so daß sie weithin das Land überblicken und jeden Rotrock bemerken konnten, der vom Ingogofluß herkommen würde. Klaas Buurman selbst ritt mit zehn Gefährten, unter denen sich auch Pieter Maritz befand, dem Feinde entgegen, um dessen erwartete Annäherung überwachen zu können. Sie bogen von der großen Straße ab, die hier vor der Buernstellung über einen lang gestreckten Höhenrücken führte, und ritten über den Berg zur linken Hand hin. Der Morgen war jetzt hell und klar, aller Dunst und Nebel war verschwunden, und heiß strahlte die Sonne herab auf die Kuppen und Schluchten der Drakensberge.
Die Buern hatten nicht weit zu reiten, um die Engländer kommen zu sehen. Gar bald sahen sie das Blitzen der Waffen in der Niederung des Ingogo und vernahmen das Rollen der Räder von Wagen und Geschützen. General Colley führte sein Heer über die Brücke. Vorsichtig geworden durch ihre Niederlage bei Langes Nek, näherten sich die Engländer nur sehr langsam. Nachdem sie den Fluß zu beiden Seiten der Brücke besetzt hatten, zogen sie die Artillerie und die Wagen herüber, ließen dann die Infanterie folgen und machten Halt, um das Land, das vor ihnen lag, zu durchsuchen, bevor sie weitermarschierten.
Nach längerem Halt setzte sich die Hauptmasse wieder in Bewegung, aber eine kleine Schar, die Pieter Maritz auf die Stärke einer Kompanie schätzte, dazu zwei Geschütze und eine kleine Reiterabteilung blieben am Flusse zurück und nahmen seitwärts der Brücke auf einer Anhöhe Stellung. Pieter Maritz sah, daß General Colley dem Gelingen seines Marsches nicht völlig vertraute und daß er wohl die Bewegung der Buern, ihm den Rückzug abzuschneiden, bemerkt haben mußte. Der umsichtige General wollte sich für den Fall eines Mißerfolgs den Weg zurück zu seinem verschanzten Lager sichern.
Nunmehr war die Vorhut der Engländer so weit vorgedrungen, daß sie bald in Schußweite kommen mußte, und Klaas Buurman ritt mit seinen Begleitern im Galopp zu der Stellung zurück, die von den Buern eingenommen wurde. Hier lagen die Buern, die nun den Feind deutlich kommen sahen, weit verstreut auf den Hügeln. Jeder einzelne hatte sich einen möglichst günstigen Platz hinter einem Felsblock oder einem Erdhaufen ausgesucht, und ein jeder hatte sein Pferd am Zügel. Klaas Buurman schickte eine Patrouille ab, welche General Joubert Bericht über den Marsch des Generals Colley machen sollte, und mit dieser Patrouille ward der Lord Fitzherbert als Gefangener zum Buernlager entsandt.
Die Engländer näherten sich der Hügelreihe mit großem Bedacht. Eine lange Schützenkette bildete sich, und die Leute kamen einzeln heran, indem sie den Schutz des Terrains benutzten. Zugleich fuhr die Artillerie neben der Straße auf, und die Hauptmasse der Infanterie blieb im Hintergrunde. Pieter Maritz betrachtete das Schauspiel von seinem Platze aus mit verständnisvollem Blick. Er hatte sich eine kleine Erdwelle zur Deckung ausgesucht, welche hoch genug war, um auch Jager einigen Schutz zu gewähren, und er lag auf dem Leibe, die Büchse vor sich auf dem Rande des grasbewachsenen Walles, Jagers Zügel um den rechten Arm geschlungen.
Jetzt waren die vordersten Schützen bis auf etwa vierhundert Schritt an die Linie der Buern herangekommen. Die englischen Soldaten hatten die Buernpferde und auch wohl hier und da einen breitkrempigen Hut erblickt und eröffneten den Kampf, indem sie sich auf dem Boden niederlegten und gleich den Buern Deckung suchten. Die Buern erwiderten das Feuer, und nun stiegen auf beiden Seiten, so lang die Stellung sich ausdehnte, Pulverwölkchen empor. Bald darauf erschütterte ein stärkerer Knall als der der Büchsen die Luft: die Neunpfünder eröffneten das Feuer, und Shrapnels fuhren in die Schützenlinie der Buern.