Lord Fitzherberts Gefangennehmung.
»Verzeihung, Adolphus!« rief er, »aber es ging nicht anders. Hast du mich gefangen genommen, so nehme ich nun dich gefangen.«
Lord Fitzherbert war so bestürzt und so beschämt, daß er kein Wort finden konnte. Er war sehr bleich, und seine Augen funkelten. Er bestrebte sich, loszukommen, aber er merkte, daß ihn eine Kraft festhielt, aus welcher es kein Entrinnen gab. Er fühlte sich wie mit eisernen Klammern umfaßt, des Freundes Gewandtheit und Stärke kamen ihm beinahe übermenschlich vor. Pieter Maritz trieb indessen Jager allein mit den Schenkeln vorwärts und lenkte ihn aus dem Flusse hinaus das Ufer hinan. Die Zügel hingen dem Pferde auf dem Halse, denn der Reiter hatte keine Hand für sie frei. Er hielt den Freund jetzt mit dem linken Arm fest an sich gedrückt und schwang die spanische Klinge in der rechten, da ihn die Dragoner bedrohten. Der treue Jager aber benahm sich klug und geschickt, er kletterte am Ufer empor und setzte sich oben trotz der doppelten Last sofort in Galopp. Und nun war es ein merkwürdiges Schauspiel, das Benehmen des Rappen zu sehen, den Lord Fitzherbert geritten hatte. Denn das edle Pferd, das sich verlassen sah, folgte alsbald seinem Herrn nach und schloß sich an Jager an, neben dem es so oft über die afrikanische Erde dahingegangen war. Bald hinter, bald neben Jager lief der Rappe einher, und wie die Freunde, so waren nun auch die Tiere vereint, auf denen jene früher gemeinsam zu Felde gezogen waren.
Aber die beiden Dragoner, welche schon vorhin ihrem Offizier hatten helfen wollen, kamen nun ebenfalls aus dem Flusse hervor und galoppierten nahe heran. Sie waren die einzigen, die noch auf dem Kampfplatz waren, denn alle andern Dragoner und Buern hatten sich nun weithin über das Feld zerstreut und waren nur noch in weiter Ferne zu sehen. Es galt, sich dieser Leute zu erwehren. Doch Pieter Maritz verzagte nicht. Die gelungene Gefangennahme seines Freundes hatte ihm ein solches Vertrauen eingeflößt, daß er nicht fürchtete, zu unterliegen. Schießen durften die Dragoner nicht, denn sonst hätten sie leicht ihren eigenen Offizier treffen können. Das sahen sie ein und hängten den schon zum Schusse bereiten Karabiner wieder an den Sattelhaken. Es galt für sie, den jungen Buern mit dem Säbel vom Pferde zu hauen oder besser noch mit den Händen zu greifen. Aber sie wußten noch nicht, mit wem sie es zu thun hatten. Sie näherten sich nach Verabredung von beiden Seiten, aber als sie nahe waren, warf Pieter Maritz plötzlich sein Pferd nach rechts, gegen den einen Mann, kam ihm an die linke Seite und schlug so geschwind und so kräftig mit seinem guten Degen zu, daß der Dragoner mit einem Hiebe quer durch das Gesicht vom Gaule fiel. Dann drehte er Jager noch einmal nach rechts herum und wollte auch dem andern Dragoner die linke Seite abgewinnen. Aber der ledige Rappe lief gerade dazwischen, und die Kämpfer konnten nicht aneinander kommen. Dann aber, als der Raum wieder frei geworden war, ritt der Dragoner gerade auf Pieter Maritz zu. Er war ein behender und mutiger Mann, den weder die Gefangennahme seines Offiziers noch der Fall seines Kameraden schreckte. Doch mit Pieter Maritz konnte er sich nicht messen. Einige kurze Augenblicke klirrten die Klingen aneinander, dann stieß der Buernsohn, den Pallasch des Gegners zur Seite lenkend, seinen Lieblingsstoß, die Sekond, mit umgewandter Hand gegen die Brust des Feindes, und auch dieser Dragoner mußte den Sattel räumen und fiel stöhnend zur Erde.
»Du bist ein furchtbarer Kämpfer, Pieter Maritz, und ich gebe mich überwunden,« sagte der Lord, als Jager nun wieder weiter stürmte. »Laß mich los, ich bin dein Gefangener und werde nicht fliehen.«
Pieter Maritz rief dem Pferde zu und ergriff die Zügel mit der Schwerthand. »Liebster Adolphus,« sagte er, »ich hoffe, du bist mir nicht böse. Aber was sollte ich machen? Um ein Haar hättest du mir den Schädel gespalten, wie dem armen alten Baas van der Goot.«
Bei diesen Worten ließ er den Lord zu Boden gleiten, und dieser reckte sich und dehnte alle Glieder, denn er war wie gelähmt und zerdrückt. Er trug noch den Säbel an dem um das Handgelenk geschlungenen Portepee und überreichte ihn seinem Sieger.
Aber Pieter Maritz schüttelte den Kopf. »Ich will dir den Säbel nicht nehmen,« sagte er; »behalte ihn nur, denn wir wissen nicht, wann er dir nützlich werden könnte. Wir Buern nehmen es nicht so genau mit der militärischen Etikette, und ich verlasse mich auf dein Wort, daß du nicht davonreitest.«
Lord Fitzherbert antwortete nicht. Er war so niedergeschlagen und so von Grimm erfüllt, daß er kaum die Thränen zurückhalten konnte.