Lord Adolphus Fitzherbert hatte in der Nähe zugesehen, indem er auf dem linken Ufer sein Pferd anhielt, wie Pieter Maritz auf dem rechten, und er hatte für die kurze Zeit, welche der Einzelkampf gedauert hatte, die Verfolgung der flüchtigen Buern aufgegeben. Jetzt, als der Wachtmeister gestürzt war, ritt er eilig heran, auf Baas van der Goot zu, um den Tod seines Untergebenen zu rächen. In demselben Augenblick kam auch Pieter Maritz in das Wasser hinab und trieb Jager dem Lord entgegen. Aber schon hatte der junge Offizier die Stelle erreicht, wo der alte Buer aufsteigen wollte, und während dieser sich aufschwang, traf ihn der Pallasch des Engländers mit vollem Schwunge von oben herabsausend auf den entblößten Kopf. Das hervorquellende Blut färbte sein weißes Haupthaar, rückwärts sank der mächtige Oberkörper, der Steigbügel entglitt dem Fuß, und ohne einen Laut hervorzubringen, stürzte der Baas rücklings in den Fluß, dessen Wellen ihn gleich seinem von ihm eben besiegten Gegner bedeckten.

Da erschien Pieter Maritz, den Degen in der Faust, vor dem englischen Offizier. »Hierher, Adolphus!« rief er, »ich will die Klinge, die du mir einst gegeben hast, an dir selbst erproben!«

Der Lord warf den Rappen zur Seite und hielt sein Schwert zum Kampfe bereit. »So sei es denn, Pieter Maritz,« entgegnete er.

»Doch zuvor noch meinen Dank, Adolphus,« sagte der Buernsohn, »daß du mir mein Pferd und meine Waffen bewahrt hast, als ich dein Gefangener wurde.«

»Es war Freundespflicht,« erwiderte der Engländer, »und ich wollte, daß die Dienste, die wir einander leisten könnten, immer gute blieben. Aber leider kann es ja nicht sein. Nun ist die Zeit gekommen, Pieter Maritz, von der wir früher einmal sprachen, wo ihr trotzigen Buern eure Stärke an der unserigen meßt, und wir wollen beide unsere Schuldigkeit thun.«

Pieter Maritz traten die Thränen in die Augen, als er den Lord so sprechen hörte. »Kämpfen müssen wir, Adolphus,« sagte er, »aber im Herzen bleiben wir doch Freunde. Nimm dich aber nun in acht: es ist ein sehr guter Degen, den du mir geschenkt hast.«

Sie ritten beide nach diesen Worten gegeneinander an, und das Wasser spritzte bis zu den Sätteln hinauf. Beide hatten sich oft miteinander im Fechten geübt, in der Gefangenschaft bei den Kaffern und auch später in den Stunden der Muße während des Krieges gegen Tschetschwajo, und Pieter Maritz hatte von dem Engländer die Kunst der Degenführung erlernt. In gewohnter Weise, wie ehedem die Stöcke und Rappiere, kreuzten sich jetzt ihre scharf geschliffenen Klingen.

»Für Ihre Majestät die Königin!« rief Lord Fitzherbert und führte den ersten Streich.

»Für die Südafrikanische Republik!« rief Pieter Maritz, indem er parierte und nachhieb.

Der Lord führte eine gute Klinge. Er war seit seiner Kindheit in allen den ritterlichen Spielen geübt, welche in den vornehmeren und reicheren Familien Englands Sitte sind, um den Söhnen eine abhärtende körperliche Ausbildung und Gewandtheit zu geben. Auch wußte er wohl, mit wem er es jetzt zu thun hatte, und er war auf seiner Hut, um dem starken Buernsohne keine Blöße zu geben. Allmählich erhitzte sich sein Blut, und zugleich mit dem Gefühl, seine Pflicht zu thun und die Ehre der englischen Waffen gegenüber den trotzigen Insurgenten zu wahren, stählte der persönliche Ehrgeiz in diesem Zweikampfe seinen Arm. Er hielt sein Pferd fest im Zügel und ließ den Buernsohn nicht auf die linke Seite kommen, so schnell dieser auch Jager herumwarf. Denn Pieter Maritz hatte die Hoffnung, den Lord vielleicht gefangen nehmen zu können, wenn er ihn von links her anliefe. So drehten sie zweimal ihre Pferde und blieben Schwert an Schwert. Jetzt kamen zwei von den Dragonern heran, die in der Nähe waren und ihrem Offizier Hilfe bringen wollten. Aber Lord Adolphus wies sie zurück, indem er sie heftig anschrie. Sein Stolz erlaubte ihm nicht, sich helfen zu lassen, er betrachtete diesen Kampf als ein Duell. Doch hatte er einen schweren Stand. So gut er focht, so genau berechnet seine Hiebe waren, die spanische Klinge zuckte ihm wie Wetterstrahlen vor den Augen, und immer klirrte Stahl an Stahl, ohne daß er einen seiner wohlgezielten Streiche hätte anbringen können. Der Zorn fing an, des Lords Sinne aufzuregen. Es kam ihm so vor, als necke ihn der Gegner mit geschicktem Parieren, ohne selbst anzugreifen, und in seiner Erinnerung tauchte die Empfindung wieder auf, welche ihn damals außer sich gebracht hatte, als er das flatternde blonde Haar des vergeblich von ihm verfolgten Buernsohnes vor sich sah. Er drängte den Rappen ungestüm vor, schlug eine Finte nach des Gegners Brust und ließ blitzschnell einen gewaltigen Hieb gegen dessen Kopf folgen. Pieter Maritz fing den Hieb auf, doch vermochte er ihn kaum vollständig abzuwehren. Die Wucht des schweren Pallasches drückte seinen Degen nieder, und die Spitze desselben fuhr ihm in den Hut. Schon wollte Pieter Maritz, aller Schonung vergessend, die Blöße benutzen, welche der Lord bei dem weit ausholenden schweren Hiebe sich gegeben hatte, schon wollte er mit dem zweischneidigen Schwerte zustoßen, aber das warme Gefühl der alten Freundschaft hielt seinen Arm zurück. Er vermochte nicht das Blut des treuen Kameraden aus dem Zulukriege zu vergießen. In diesem Augenblicke der höchsten Not durchzuckten die Gedanken mit ungeheurer Schnelligkeit sein Gehirn. Er erinnerte sich des Anblicks, den er am Umvolosi gehabt hatte, als Lord William Beresford den verwundeten Sergeanten auf dem Sattel vor sich durch den Fluß trug, und er fühlte, daß er auch thun könnte, was jener vollbracht hatte. Er war mächtig gewachsen, seitdem er Adolphus zum erstenmal gesehen, und er überragte ihn jetzt an Länge. Hatte er damals schon das Vertrauen gehabt, ihn im Ringkampf bezwingen zu können, so traute er es sich jetzt zu, ihn fortzutragen. Er war jetzt fast seinem verstorbenen Vater an Wuchs gleich, er trug die Steigbügelriemen in derselben Länge, wie jener sie gehabt hatte, und er fühlte Kraft in seinen Armen. Ehe sich der junge Offizier dessen versah, hatte Pieter Maritz sein Pferd unmittelbar an den Rappen herangedrängt und umschlangen den Lord zwei Arme, die ihn mit unwiderstehlicher Gewalt ergriffen. Pieter Maritz hob den Freund mit einem gewaltigen Ruck empor, riß ihn aus dem Sattel und zog ihn auf Jagers Rücken zu sich herüber.