Pieter Maritz suchte sein Pferd, schwang sich in den Sattel, warf die Büchse über den Rücken und ritt mit einigen entschlossenen Gefährten vorwärts, um zu sehen, was der Feind mache. Vorsichtig setzten die Pferde Schritt vor Schritt ihre Hufe in den hier schlüpfrigen, dort nachgebenden Boden und stiegen die Höhe hinab, durch die Niederung nach dem hoch gelegenen Teile des Schlachtfeldes, den die Engländer besetzt hielten. Der Schein der Blitze mußte ihnen leuchten, denn die schwarzen Wolken hüllten rings umher den Horizont in Dunkel, und bald war es auch Abend, so daß der Untergang der Sonne zugleich mit den Gewitterwolken die nächtliche Finsternis herbeiführte. Pieter Maritz sah beim Leuchten der Blitze, daß die Engländer in vollem Rückzuge waren. General Colley und seine Offiziere bemühten sich, die Truppen in einiger Ordnung zurückzuführen, aber das böse Wetter und die Dunkelheit lösten alle Bande der Ordnung, die bereits durch den Verlust so vieler Offiziere und Mannschaften und durch den Eindruck der Niederlage gelockert worden waren. Vielfach sah Pieter Maritz Haufen von Soldaten gleich zerstreuten Schafen laufen, und er kam ihnen so nahe, daß er die Nummern auf ihren Achselstücken lesen konnte. Aber es ward nicht mehr gekämpft, Freund und Feind mischten sich, ohne die Waffen zu gebrauchen. Auch einem Offizier mit der weißen Waffenstillstandsfahne begegnete Pieter Maritz, dem ein Haufe von Leuten folgte, welche die Verwundeten zusammensuchen wollten. Mehrere Buern fanden sich ein, die wieder, wie in dem letzten Gefecht, ihre Hilfe für die armen Zerschossenen zur Verfügung stellten. Aber die Umstände erlaubten heute nicht viel Hilfe, und gegen zweihundert Engländer blieben auf dem weiten Kampfplatz liegen, die teils tot waren, teils mit ihren Wunden ohne Beistand blieben, während nur etwa fünfzig Verwundete gefunden und fortgeschafft wurden. Pieter Maritz ward tief betrübt beim Anblicke dieses Elends. Er kam an den Ingogofluß und sah, wie die Artillerie sich bemühte, hinüberzukommen. Ein Geschütz verirrte sich, verfehlte die Richtung und stürzte von der Brücke in das Wasser. Der hoch geschwollene Fluß trieb mehrere Männer fort und ertränkte die gefesselten Zugtiere. Es war eine grauenvolle Scene der Verwüstung und menschlicher Not.

Pieter Maritz blieb die ganze Nacht hindurch zu Pferde, und erst, als er in der Frühe des Morgens die letzten Rotröcke in das Lager zurückkehren sah, lenkte er Jager heimwärts nach Langes Nek, wo das Buernheer sich wieder in seinem Lager bei den Ochsenwagen vereinigte.

[Einunddreißigstes Kapitel]
Im feindlichen Lager

Pieter Maritz hielt auf des treuen vielerprobten Jagers Rücken am Bergeshang gegenüber dem englischen Lager von Mount Prospect und blickte nachdenklich zu der britischen Flagge hin, die noch immer auf Hatleys Hotel wehte. Die Nachmittagssonne stand jenseits nahe über den Bergen, und in ihrem goldenen Lichte schimmerten ringsum die klaren Lüfte und die dunkle Erde. Ein herrlicher Glanz von blauen und rötlichen Farben verklärte die Drakensberge und ließ die schweren Kuppeln und tafelförmigen Kämme leicht und duftig erscheinen. Der Donner der Kanonen, das Getöse des Kampfes, das Ächzen der getroffenen Männer, alles war verhallt, und friedlich und schön lag das Gebirge da.

Nur einzelne Buernposten hatten seit dem Kampfe bei Schains Hoogte das englische Lager überwacht, und Pieter Maritz war im Laufe der achtzehn Tage, die seit jenem Gefechte verflossen waren, mehreremal an die Reihe gekommen, auf Posten zu stehen. Hauptsächlich die jungen Leute waren es, die zum Postendienste verwendet wurden, die älteren blieben ruhig im Lager bei ihren Wagen, tranken ihren Kaffee und rauchten ihre Pfeifen. Viele waren auch wieder nach Hause gefahren, um ihre wirtschaftlichen Angelegenheiten zu besorgen, und vertrauten in ruhiger Behaglichkeit auf ihre Kraft, um die Engländer von neuem zurückzuwerfen, falls diese wieder versuchen sollten, in das Transvaalland einzubrechen.

Pieter Maritz dachte über die Lage der Dinge nach, und sie wollte ihm, der den Krieg kennen gelernt hatte, nicht recht gefallen. Warum griffen die Buern das englische Lager nicht an? Warum hatten sie nicht gleich nach ihrem Siege mit der kleinen Schar der Feinde ein Ende gemacht? Kaum sechshundert Mann konnte General Colley noch haben, von seinen Offizieren waren mindestens zwei Drittel tot, und die Soldaten mußten niedergeschlagen und mutlos sein. Wenn die Buern gestürmt hätten, während noch der Schrecken von Langes Nek und Schains Hoogte den Engländern frisch in den Gliedern saß, so hätten sie längst den General Colley gefangen nehmen können. Aber freilich kannte Pieter Maritz seine Landsleute. Diese schweren starken Männer waren ebenso ruhig, wie sie tapfer waren, sie ließen es an sich kommen, sie warteten ab, was geschehen würde, sie hatten keinen Sinn für kriegerische Unternehmungen. Wie große Bäume mit langen tiefen Wurzeln im Boden stehen, so standen fest und unerschütterlich auch die Buern auf ihrer heimatlichen Erde, und wenn die Engländer es wagen sollten, von neuem anzugreifen, so würden ihnen die Buern mit unbesieglicher Kraft entgegentreten, aber selber anzugreifen, das fiel den Buern nicht ein. Joubert wußte es besser, Joubert wußte wohl, daß es klüger gewesen wäre, das englische Lager zu stürmen, aber er mußte thun, was seinen Landsleuten wohlgefiel.

Alles dies überdachte Pieter Maritz, und er dachte auch an den General Evelyn Wood und dessen Brief, an die Verstärkungen, welche von Süden heraufkommen konnten, um General Colleys Verluste zu ersetzen. Häufig flog sein Blick nach jener Seite hin, die Straße hinab, welche von Newcastle herführte, und er sagte sich, daß niemand es verhindern werde, wenn frische englische Truppen heranmarschierten.