Und heute schien seine Befürchtung sich erfüllen zu sollen. Indem er aufmerksam lauschte, kam es ihm so vor, als hörte er ein Geräusch von Pferdehufen und Säbelklirren in der Ferne. Es war sehr leise, und er konnte es nur von Zeit zu Zeit vernehmen, aber sein scharfes Gehör unterschied diese so oft gehörten Klänge von den Geräuschen, die sonst die Luft bewegten.

»Ich will eine Strecke weit hinunterreiten,« sagte er zu seinem Landsmann, der neben ihm hielt. »Mir ist, als hörte ich Kavallerie kommen.«

Damit lenkte er Jager seitwärts und ritt am Hange hin einige hundert Schritte weit näher der Straße zu und verbarg sich, als er jetzt das Klirren und den Hufschlag in größerer Deutlichkeit vernahm, hinter einem Gebüsch. Gleich darauf sah er einige Reiter erscheinen, die den Karabiner in der Hand trugen und spähend um sich schauten. Sie trugen silbern verschnürte Röcke und gekrümmte Säbel, es waren Husaren vom 15. Regiment. Sie ritten eilig vorbei, als sie die Straße vor sich frei erblickten, und bald folgte ihnen eine ganze Schwadron nach, auf kleinen, munteren Pferden, die Uniformen glänzten, die Säbelscheiden klirrten an die Bügel, und die Hufe klapperten auf dem Wege.

Pieter Maritz blickte finsteren Auges auf diese schöne Kavallerie, als er auch den stampfenden Schritt von Infanterie vernahm. Weiße Helme zeigten sich, weißes Lederzeug auf roten Uniformen, schottisch karrierte Röcke, die vom Gürtel herabfielen, weiße Gamaschen und bunte Binden unterhalb der nackten Kniee. Es waren Hochländer, vom 92. Regiment, die sogenannten Gordonhochländer. Pieter Maritz zählte ihrer dreihundert Mann. Sie kamen in schnellem, elastischem Schritt heran, ihre Gewehre funkelten in der Sonne, es waren kräftige Männer, ausgesuchte Soldaten.

Pieter Maritz blieb auf seinem Posten. Er fürchtete, es möchten noch mehr Truppen kommen, um den General Colley zu verstärken, und er wollte diese beobachten, falls sie etwa kämen. Aber nachdem diese beiden Abteilungen vorüber, nachdem der Marschschritt und das Klirren verhallt waren, wurde das Thal wieder ruhig, kein neues Corps folgte. Pieter Maritz ritt zurück und begab sich eilig in das Lager von Langes Nek, um Joubert Meldung zu machen.

Der General hörte die Nachricht vom Eintreffen der Husaren und der schottischen Infanterie mit ernster Miene an. »Ja,« sagte er, »es ist sehr möglich, daß noch mehr Truppen in der nächsten Zeit kommen werden, denn General Wood hat, wie mir berichtet worden ist, Verstärkungen erhalten und wird sich anstrengen, mit General Colley in Verbindung zu treten. Dann werden beide Generale mit einer stärkeren Macht als vorher von neuem angreifen. Aber ich denke, mein lieber Junge, wir werden sie trotzdem aufs Haupt schlagen. Wir lassen sie nicht durch, und sie werden sich blutige Köpfe holen. Unsere Armee wird alle Tage stärker, und wenn wir jetzt auch nicht viel Truppen hier im Lager haben, so kann ich, sobald es not thut, in wenig Tagen gegen dreitausend Mann zusammenbringen, und mit denen wollte ich dem General Roberts selbst den Einmarsch in Transvaal verwehren, wenn er wirklich, wie das Gerücht geht, mit zwölftausend Mann kommen sollte.«

Pieter Maritz schwieg.

»Sie meinen, daß das nicht das Richtige wäre,« sagte Joubert. »Ich lese in Ihrem Gesicht, daß Sie Lust hätten, den General Colley anzugreifen.«

»Jawohl,« sagte Pieter Maritz. »Ich denke, wenn sechshundert Mann kühn entschlossen auf das englische Lager losstürmten, so könnten sie den General mit allen seinen Truppen gefangen nehmen. Und wäre das nicht ein schöner Streich?«

»Gewiß wäre es das,« entgegnete der Befehlshaber, »und ich hätte große Lust, es zu thun. Ich wollte es schon thun, ehe diese Husaren und Schotten kamen. Aber unsere Leute haben keine Lust zu solchen Dingen. Sie meinen, es wäre besser, zu warten, bis wir angegriffen würden. Auch die Regierung in Pretoria wünscht nicht, daß wir angreifen, denn sie will den Engländern zeigen, daß wir nur im Stande der Notwehr sind. Sie hoffen in Pretoria von Tag zu Tag, daß die Engländer die Hand zum Frieden bieten.«