Pieter Maritz ging niedergeschlagen davon, stieg wieder auf sein Pferd und ritt langsam durch die Wagenreihen des Lagers. Überall saßen die Buern in guter Ruhe da, ihre gewaltigen Leiber und kriegerischen, braunen, bärtigen Gesichter trugen das Gepräge größter Behaglichkeit, und nichts verriet, daß nur einen Kanonenschuß weit von ihrem Lager ein Feind stand, der sich zu neuem Angriff rüstete. Pieter Maritz ritt an das Ende des Lagers und suchte den Lord Fitzherbert auf. Der junge Offizier hatte durch die Vermittelung seines Freundes die Erlaubnis erhalten, im Lager zu bleiben, anstatt nach dem Innern des Landes geschickt zu werden, und Pieter Maritz hatte ihm einen Platz in dem Wagen eingeräumt, in welchem er selbst zu schlafen pflegte, wenn er nicht die Nacht auf Posten zubringen mußte. Er fand den jungen Offizier am Feuer sitzend und rauchend. Ein Kaffer hockte neben dem Feuer und kochte Wasser, um Punsch zu machen.

»Nun, Pieter Maritz,« rief der Lord ihm entgegen, »du machst ja solch ein böses Gesicht. Was giebt es?«

Lord Adolphus hatte sich in seine Lage gefunden, und nachdem er in den ersten Tagen seiner Gefangenschaft sehr betrübt und niedergeschlagen gewesen war, hatte die Freundlichkeit, mit der Pieter Maritz sich bemühte, ihn sein Leid vergessen zu machen, ihn gerührt, und er nahm sein Los mit Fassung auf sich. Der Gedanke an das wechselnde Kriegsglück tröstete ihn, und er suchte sich als Soldat an sein Schicksal zu gewöhnen.

Pieter Maritz antwortete auf die Frage mit voller Offenheit. Die Freunde tauschten wieder wie ehemals ihre Gedanken rückhaltlos gegeneinander aus. Lord Adolphus konnte ein triumphierendes Lächeln nicht unterdrücken, als er hörte, daß Verstärkungen im Lager von Mount Prospect eingetroffen seien. »Sieh, lieber Freund,« sagte er, »es wird so kommen, wie ich von Anfang an gesagt habe. Ihr könnt gegen England nicht kämpfen, so tapfer ihr auch seid. Wie wolltet ihr auch? Ich bewundere euch Buern. Ihr seid Krieger, wie man sie in der ganzen Welt nicht noch einmal findet, aber ihr seid an Zahl zu schwach, um gegen eine Macht wie die unserige Krieg zu führen. Nach und nach werden immer mehr Truppen kommen, und zuletzt müßt ihr Frieden schließen. Es wird keine Schande für euch sein, denn ihr habt uns wahrhaftig besiegt wie Helden, aber es war ein großer politischer Fehler, daß ihr euch gegen uns auflehntet.«

»Wir wollen sehen,« antwortete Pieter Maritz. »Laßt ein Heer kommen so groß es will, wir werden ihm entgegentreten.«

»O, ich weiß wohl, daß ihr Buern ihm entgegengehen werdet,« sagte Lord Adolphus. »Und ich weiß auch, daß es ein furchtbarer Kampf werden wird. Ihr seid unvergleichliche Schützen, tapfer wie Löwen und habt alle Eigenschaften der allerbesten Soldaten. Aber doch seid ihr kein discipliniertes Heer, und ihr kennt den Krieg nicht. Ihr wehrt euch, aber ihr wißt nicht anzugreifen.«

»Wir wollen sehen,« sagte Pieter Maritz von neuem. Er war schweigsam, die Hochländer und Husaren standen vor seinem inneren Blick, und er überlegte, was zu thun sei. Nachdem er sein Abendbrot verzehrt hatte, ritt er wieder in das Gebirge zurück und näherte sich, während jetzt die Sonne unterging und Dunkelheit das Land umhüllte, den äußersten Posten des Buernheeres. Sein kriegerischer Instinkt sagte ihm, daß auf englischer Seite irgend etwas im Werke sein müsse. General Colley war ein unternehmender Mann. War er doch tollkühn mit kaum mehr als tausend Mann losmarschiert, um das ganze Transvaalland zu unterwerfen. Sicherlich war er voll Unmut und Ungeduld, so lange schon gleichsam als Gefangener in dem festen Lager zu sitzen, zweimal geschlagen, ohne sich rühren zu können, gegenüber einem Feinde, den die stolzen Engländer verachteten. Sicherlich würde General Colley die eingetroffene Verstärkung bald benutzen, um einen neuen Schlag zu führen, zumal die Unthätigkeit auf seiten der Buern ihm eine geringe Meinung von ihrer Kriegsführung gegeben haben mußte.

Die Buernposten hielten still auf ihren Plätzen, die Männer saßen im Sattel oder standen neben den Pferden, und so umgaben die Posten das feindliche Lager in einem weit ausgedehnten Halbkreise. Pieter Maritz ritt über die Posten hinaus. Es war eine herrliche Nacht mit funkelnden Sternen, und die schmale Mondsichel hing über dem riesig und schwarz emporragenden Majubaberge. Pieter Maritz konnte die Gegenstände ringsum auf mehrere hundert Schritte weit erkennen. Er ritt so nahe an das verschanzte Lager hinan, wie dies nur möglich war, ohne von den englischen Posten bemerkt zu werden. Denn auch General Colley hatte Posten außerhalb stehen, Dragonervedetten umgaben auf allen Seiten seine Stellung. Pieter Maritz hielt hinter einem Busche an und betrachtete das vor ihm liegende Bild. Die englischen Posten standen sehr weitläufig und waren keine Doppelposten, wie gebräuchlich, sondern nur Einzelposten, denn es fehlte an Mannschaft, und General Colley mußte Mann und Pferd schonen. Die weißen Helme der Dragoner schimmerten in sehr weiten Abständen voneinander durch die Nacht. Im Hintergrunde sah Pieter Maritz Lichter flimmern, es waren die hellen Fenster von Hatleys Hotel und die Wachtfeuer im Lager.

Wie Pieter Maritz so ausschaute und seine Gedanken sich unablässig mit den Dingen beschäftigten, die drüben vorgehen mochten, kam es ihm so vor, als ob es lebhafter als sonst im feindlichen Lager sei. Pieter Maritz hatte oft in der Nacht das Lager beobachtet, und er kannte dessen Gewohnheiten, so gut sie sich von ferne erkennen ließen. Freilich mochte die Ankunft der neuen Truppen diese Unruhe verursacht haben, aber Pieter Maritz konnte den Gedanken nicht los werden, daß General Colley damit umgehe, einen Angriff vorzubereiten. Mehreremal drang ein Ton wie von Waffengeklirr und Kommandoruf durch die stille Nacht, und eine auffallende Beweglichkeit schien sich ihm innerhalb der Schanzen kundzugeben. Er strengte Auge und Ohr auf das äußerste an, und mit gerunzelter Stirn und zusammengebissenen Zähnen starrte er, weit vorgebeugt, auf den Gegenstand seiner gespannten Aufmerksamkeit. Ein Gedanke durchzuckte ihn, den er zuerst als unausführbar zurückwies, der aber wiederkam und ihn bald ganz erfüllte. Er wollte versuchen, in das englische Lager zu dringen, um zu erfahren, was dort vorgehe und welche Pläne Sir George Pomeroy Colley verfolge. Verwegener Mut und Vertrauen auf sein Glück beseelten ihn.

Er ritt zurück und begab sich zu dem nächsten Posten seiner Landsleute, wo ein Freund und Altersgenosse von ihm war. »Höre, Jakobus,« sagte er zu diesem, indem er vom Pferde stieg, »ich will einmal versuchen zu sehen, was die schönen Soldaten der Königin dort drüben treiben. Hebe mir mein Pferd und meine Waffen auf.«