»Gern,« sagte ihm der Landsmann, »aber was willst du machen? Sie werden dich totschießen, wenn sie dich fassen.«

»Ich weiß nicht, was sie vorhaben,« antwortete Pieter Maritz, indem er einen starken Zweig von einem Akazienbusch abschnitt und die kleinen Zweige und Blätter entfernte, so daß er einen tüchtigen Stab in Händen hielt. »Siehst du dort an der Straße den einzelnen Dragoner? Ich werde mich an den Mann heranmachen, und wenn du einen Pfiff hörst, in dieser Art« — Pieter Maritz pfiff in einer besonderen Weise — »so kommst du zu mir und hilfst mir.«

»Gut,« sagte Jakobus, indem er lachend die Zähne zeigte. »Willst du ihn denn mit dem Stocke angreifen?«

»Das wird sich finden,« entgegnete Pieter Maritz. »Komm du nur schnell heran, wenn ich pfeife. Und dann kannst du mir wohl deine hübsche Flasche leihen. Du liebst ja ein Schlückchen Rum und hast gewiß eine gute Sorte bei dir.«

»Nun, meinetwegen,« sagte der junge Buer zögernd, »hier hast du die Flasche, aber verliere sie mir nicht.«

Pieter Maritz hing die mit Leder überzogene Flasche über die Schulter, nahm seinen langen Stab und ging waffenlos davon, gerade auf der Landstraße und auf den Dragonerposten zu, dessen Säbel und Helm in der Ferne durch das Dunkel schimmerten. Als er bis auf einige hundert Schritte an den Posten herangekommen war, bog er seine schlanke, geschmeidige Gestalt zu einer gebückten Haltung zusammen, stützte sich auf den Stab und ging mit langsamem, weithin hörbarem, schlurfendem Schritte wie ein alter Mann und hustete kläglich, gleich einem gebrochenen Greise. Der Dragoner hielt auf der Straße selbst und war weit entfernt von seinen Nebenposten, die am Berge standen. Pieter Maritz schritt ganz ruhig, als ob der Krieg ihn nichts anginge, seines Weges, ächzte zuweilen, brummte vor sich hin und hustete.

»Heda!« rief der Dragoner. »Wer kommt da?«

Pieter Maritz blieb einen Augenblick stehen, sprach holländisch mit verstellter zitternder Stimme und ging dann weiter. Der Dragoner hatte den Karabiner auf den Schenkel gestützt und bemühte sich, zu erkennen, wer auf der Straße sei, war aber offenbar durch das Husten und Stöhnen getäuscht und mochte wohl denken, irgend ein einfältiger alter Bauer, der die Gefahr nicht kenne, wandere dort umher. Denn er ließ Pieter Maritz bis auf zwanzig Schritte an sich kommen, ehe er ihn noch einmal anrief, und machte keine Miene zu schießen.

»Wer da?« rief er. »Steht still, alter Freund! Woher kommt Ihr und wohin wollt Ihr? Hier führt kein Weg für Fremde.«

»Kann nichts verstehen, kann gar nichts verstehen,« antwortete Pieter Maritz holländisch, wobei er wieder stark hustete. Und er ging weiter auf den Dragoner zu, welcher nun sein Pferd auf den Ankömmling zugehen ließ und diesem die Straße versperrte.