»Nichts Neues zu melden, Herr Sergeant,« antwortete Pieter Maritz mit dienstlicher Haltung.
Ein Dragoner ritt vor und nahm den Posten ein, den der verkleidete Buernsohn inne gehabt hatte, dann schloß dieser sich dem Ablösungstrupp an, und es ging weiter in der Postenkette, um noch zwei andere Dragoner abzulösen, die weiter oben am Berghang hielten. Pieter Maritz ritt ruhig seines Weges neben den Soldaten, die ihn nicht beachteten, sondern müde und gleichgültig ihre Pflicht thaten. Er dachte darüber nach, was wohl das Wort Majuba als Feldgeschrei zu bedeuten habe. Majuba war der Name des hohen Berges, der sich neben dem Buernlager erhob. War der Name nur zufällig von General Colley gewählt worden, oder hatte diese Wahl eine besondere Bedeutung?
Als die Ablösung zum Lager zurückkehrte, sah sich Pieter Maritz dessen Umwallung an, so gut dies bei dem schwachen Licht des Sternenhimmels möglich war. Die Engländer hatten sich so verschanzt, wie sie es im Zulukriege zu machen pflegten. Sie hatten ein Viereck von Schanzen erbaut, und die Schanzen bestanden aus Erdwällen von etwa sechs Fuß Höhe, mit einem davor liegenden Graben. Pieter Maritz dachte von neuem mit Mißbilligung an die Säumigkeit seiner Landsleute. Warum war dies Lager nicht längst schon erstürmt worden? Die Zulus waren vergeblich gegen solche Wälle angelaufen und hatten ungeheure Verluste gehabt, aber für Buern konnten diese Schanzen kein Hindernis sein. Die Buern würden sich ringsum auf die Erde gelegt und jeden Kopf, der sich über der Brüstung zu zeigen wagte, weggeschossen haben, bis sie mit der Gewißheit des Erfolges hätten hinanlaufen können.
Der Dragonerzug ritt in das Lager ein, und die Mannschaft ward zu der Stelle geführt, wo die Kavallerie kampierte. Es war dies ein Platz neben den Stallungen von Hatleys Hotel, wo die Pferde Schutz vor dem durch das Thal wehenden kalten Südwind hatten. Ein Teil der Pferde stand auch in den Ställen selbst, aber die Dragoner lagerten draußen. Die Leute waren schläfrig und verdrossen, und Pieter Maritz konnte sich abseits halten, ohne daß man auf ihn achtete. Er band sein Pferd mit der Kampierleine neben den andern Pferden an, hütete sich, sein Gesicht in das Licht einer der Laternen zu bringen, die hier und da an Stangen aufgehängt waren, hüllte sich in den Dragonermantel, schlug den Kragen in die Höhe und ging umher, um sich alles anzusehen. Das Lager war infolge der Ankunft der neuen Truppen ziemlich lebhaft. Die Husaren und die Hochländer hatten noch damit zu thun, sich einzurichten und sich zurecht zu finden, waren zum Teil noch mit dem Errichten von Zelten beschäftigt, saßen und lagen um die Wachtfeuer herum, rauchten, tranken und unterhielten sich. Die Truppen dagegen, welche schon seit vier Wochen hier lagen, schienen niedergeschlagen und ermüdet zu sein. Sie schliefen zum größten Teil, und es war still an ihren Lagerplätzen. Doch fiel es Pieter Maritz auf, daß eine gewisse Spannung und Erwartung sich in der ganzen Haltung des englischen Heeres kundgab. Nur ein kriegsgewohntes Auge konnte diese Kennzeichen wahrnehmen, welche auf bevorstehende Unternehmungen hindeuteten, aber Pieter Maritz verstand es, gleichsam dem Kriegsgotte den Puls zu fühlen und in fast unbeschreiblich feinen Merkmalen den Charakter einer Truppe und deren militärische Lage zu lesen. Die Posten, welche auf den Wällen standen, wandten häufig ihren Blick nach innen, als ob sie dort ein Ereignis erwarteten, von den Offizieren schien sich niemand der Ruhe hingegeben zu haben, in Hatleys Hotel waren mehrere Fenster hell erleuchtet, und von Zeit zu Zeit war ein Adjutant des Generals zu sehen, der durch das Lager schritt und mit den Offizieren sprach, die in ihren Mänteln am Feuer saßen.
Pieter Maritz näherte sich einem der Wachtfeuer, welche den Husaren gehörten, und setzte sich auf ein Reisigbündel. Die Husaren waren fremd, mußten aus einem andern Erdteil herübergekommen sein und konnten ihn unmöglich kennen. Pieter Maritz setzte sich schweigend zu ihnen und wartete, daß ihn jemand anreden würde. Dies geschah nach kurzer Zeit.
»Nun Kamerad,« sagte ihm ein hübscher junger Reiter, dem die Mütze gar verwegen auf dem rechten Ohre saß, »du bist wohl schon lange in Afrika?«
»O ja,« antwortete Pieter Maritz.
»Warst du auch im Zulukriege?«
»Jawohl, da war ich auch.«
»Immer gut durchgekommen, oder hast du auch was abgekriegt?«