Aber indem er noch sprach, sah der Dragoner plötzlich zu seinem Schrecken, daß der alte gebrechliche Mann, der jetzt dicht neben dem Pferde stand, aus seiner gebückten Haltung emporwuchs und daß ein Paar hell blitzender Augen unter dem Hutrande hervorsahen, wie er sie noch niemals im Antlitz eines Greises bemerkt hatte. Und ehe er sich noch von seinem Erstaunen und Schrecken erholen konnte, fühlte er sich schon von einem Griff an der Gurgel gepackt, der ihm den Atem raubte und ihm jede Möglichkeit der Gegenwehr nahm. Er ächzte und schnappte nach Luft, er ließ den Karabiner und die Zügel fallen und griff wild mit den Händen um sich, aber es gab für ihn kein Entrinnen aus diesem gewaltigen Griff. Zugleich vernahm er jetzt in gutem Englisch die Drohung, daß er das Leben verlieren würde, wenn er nicht schwiege, und er mußte seine letzte Kraft aufbieten, um nur verständlich zu machen, daß er still sein werde. Nun lockerte Pieter Maritz ein wenig die enge Umschlingung, in der er den bestürzten Soldaten hielt, und pfiff in der Weise, die er mit dem Landsmann verabredet hatte. Zugleich zog er den Säbel des Dragoners aus der Scheide, setzte die Spitze dem Manne auf die Brust und gebot ihm abzusteigen. Der Dragoner war wie betäubt und gehorchte willenlos. Pieter Maritz hielt das Pferd am Zügel. Inzwischen war Hufschlag zu vernehmen, und bald erschien der andere junge Buer in schnellem Laufe seines Rosses. Jakobus war sehr ergötzt, als er den gefangenen Dragoner sah, aber er verwunderte sich noch mehr, als er sah, was Pieter Maritz ferner unternahm. Denn dieser zog die Bluse aus und setzte den Hut ab, befahl dem Dragoner, dem nun ein Halstuch in den Mund gestopft wurde, Helm und Waffenrock herzugeben, und kleidete sich dann selbst in englische Uniform. Der Rock krachte in den Nähten, als der starke Buernsohn ihn über seine mächtige Brust zog, aber es ging doch, der Sitz war nicht allzu schlecht. Dann hing Pieter Maritz das Bandelier mit der Patrontasche über die Achsel, schnallte die weiße Degenkoppel um den Leib, setzte den Korkhelm auf und ergriff den Karabiner.

»Schaff du mir den Engländer fort,« sagte er zu Jakobus. »Er kann meine Bluse anziehen, damit er nicht friert. Er wird so klug sein, keine Umstände zu machen, denn sonst geht es ihm ans Leben.«

Diese Warnung sagte Pieter Maritz dem Dragoner auch in englischer Sprache, und dann stieg er auf das Dragonerpferd und hielt Wache an der Landstraße, während Jakobus mit dem gefangenen Engländer, der in der Bluse und mit dem breitkrempigen Hut neben dem Pferde ging, nach den Bergen zu abzog. Den Karabiner auf den Schenkel gesetzt, den Säbel an der Seite, hielt Pieter Maritz als englischer Posten auf dem Flecke, wo der Gefangene seinen Platz gehabt hatte, und wartete auf die Ablösung, bei welcher er in das englische Lager gelangen mußte. Zwar verhehlte er sich die Gefährlichkeit seines Unternehmens nicht. Wenn er entdeckt wurde, so schossen ihn die Engländer ohne Gnade nieder. Aber er dachte nicht an die Gefahr, sondern nur an seinen Vorsatz, in Erfahrung zu bringen, was General Colley plante, und er hoffte auf das Gelingen seines kühnen Wagnisses. Der Karabiner und der Säbel verliehen ihm ein gewisses Vertrauen, und die Berührung dieser Waffen flößte ihm Mut ein. Lebendig fangen sollten ihn die Feinde sicherlich nicht. Wollte das Unglück, daß er erkannt würde, so wollte er schießen und um sich hauen wie ein Teufel. Unter den Dragonern waren noch mehrere Leute, die den Feldzug gegen die Zulus mitgemacht hatten, und vielleicht auch einer oder der andere, der dabei gewesen war, als Adolphus ihn bei Heidelberg arretierte, aber Pieter Maritz dachte, die Nacht sei dunkel genug, um seine Bemühungen, sich zu verstecken, wirksam zu unterstützen.

Er hielt unbeweglich da, als nach etwa einer halben Stunde die Ablösung herankam, ein Unteroffizier mit sechs Mann.

»Wer da?« rief er, als die Leute näher kamen.

»Ablösung,« antwortete es.

»Feldgeschrei?« fragte Pieter Maritz, der mit dem Vorpostendienst der Engländer wohl vertraut war.

»Majuba,« sagte der Sergeant.

»Feldgeschrei richtig. Ablösung heran!« sagte Pieter Maritz.

»Nichts Neues bei den verdammten Buern?« fragte der Unteroffizier.