»Wir wollen es jedenfalls versuchen,« sagte General Colley. »Die Artillerie allein begründet ja leider Gottes unsere Überlegenheit über die Buern, denn was das Schützengefecht betrifft, so müssen wir ja offen eingestehen, daß unsere Leute keine Gegner für die Buern sind. Sie schießen uns zehn Mann für jeden Treffer nieder, den wir selber haben. Freilich haben sie bis jetzt immer die überlegenen Stellungen gehabt. Ich halte es für eine sehr glückliche Idee, den Majuba zu besetzen, vorausgesetzt, daß wir ungesehen hinaufkommen. Wir werden dort oben gerade so im Vorteil über die Buern sein, wie die Buern bis jetzt über uns im Vorteil gewesen sind. Ich habe es mir zum Grundsatz gemacht, vom Feinde zu lernen, und was die Besetzung von Gebirgspositionen betrifft, so muß man den Buern in der That den Preis zuerkennen. Wenn aber unsere wackeren Hochländer in einer guten Stellung aus Deckungen feuern, so sollte der Teufel selbst sie nicht hinaustreiben. Meinen Sie nicht auch, Major Hay?«
»Herr General, ich danke im Namen der Hochländer für die gute Meinung, welche Sie von uns haben,« antwortete der zweite Offizier, der ein gewürfeltes, rot schimmerndes Plaid über der Schulter trug. »Nur möchte ich mit Ihrer Erlaubnis noch ein Bedenken äußern.«
»Bitte, sprechen Sie, Major.«
»Ich kenne das Land nicht,« sagte der Offizier, »und kenne namentlich auch den Berg nicht, von dem die Rede ist. Aber ich möchte bezweifeln, daß dieser Majuba, wenn er wirklich zweitausend Fuß hoch über das Buernlager emporragt, eine gute Stellung bietet. Das ist zu hoch. Wir werden dort oben isoliert und ohne Verbindung, ohne Rückzugsweg und ohne Bewegungsfähigkeit sitzen.«
»Durchaus nicht, Major Hay,« entgegnete der General. »Ich habe die Absicht, am Fuße des Berges zwei Kompanien und die Husarenschwadron stehen zu lassen, welche die Verbindung mit dem Lager aufrecht erhalten und im Falle eines Rückzugs zu unserer Unterstützung bereitstehen.«
»Wenn auch,« sagte der Major. »Ich habe manches Gefecht mitgemacht, aber niemals auf einem einzelnen Berge, zweitausend Fuß über dem Feinde Stellung genommen. Da hören die Bedingungen des Schützengefechts auf. Meiner Ansicht nach ist die Verteidigung einer so hohen Spitze sehr schwer. Sicherlich hat ein so hoher Berg viele und große tote Winkel an seinen Abhängen. Er wird gewiß nicht ringsum glatt sein, und wenn er irgendwo Absätze oder auch nur Felsblöcke und Buschwerk hat, so wird dies dem Angreifer eine vortreffliche Deckung geben, und er wird uns da oben wegputzen wie Vögel, die aus dem Neste gucken.«
»Major Hay, Sie sind durchaus im Irrtum,« sagte der General. »Ich rechne Ihre Bedenklichkeiten Ihrer Unbekanntschaft mit dem Kriegsschauplatz und der Beschaffenheit des Feindes zu gute, sonst müßte ich mich sehr verwundern, derartigen Ansichten zu begegnen. Wir werden dort oben wie in einer Redoute stehen und eine uneinnehmbare Stellung haben. Kein Buer darf sich am Abhang zeigen, ohne von oben ganz bequem aus sicherer Deckung aufs Korn genommen zu werden. Übrigens werden die Buern keinen Angriff wagen. Diese Leute schießen ausgezeichnet, aber sie haben eine große Abneigung dagegen, nach sich schießen zu lassen. Es sind Familienväter, Landwirte. Sie greifen nicht an. Wenn sie angreifen wollten, so würden sie längst unser Lager angegriffen haben, denn wir müßten ihnen doch wahrhaftig nach den schmählichen Niederlagen bei Langes Nek und Schains Hoogte eine willkommene Beute sein. Aber sie haben von Kriegswissenschaft gottlob gar keinen Begriff. Nein, meine Herren, mein Plan ist gut, und es handelt sich nur um die energische Durchführung. Die Besetzung des Majuba wird den Krieg entscheiden. In vier Tagen wird General Wood hier sein, und wir werden vom Gipfel des Majuba aus, der hier sehr gut sichtbar ist, wenn die Sonne scheint, eine heliographische Verbindung mit dem Lager und General Wood herstellen. Wenn wir die beherrschende Position des Majuba bis dahin behaupten, so ist der Krieg aus. Vom Majuba wie von einer unbesieglichen Festung aus bedroht und dann von diesem Lager aus durch General Wood angegriffen, werden die Buern um Frieden bitten. Der Gedanke, daß wir ihnen ihre Dörfer anzünden und ihr Vieh wegtreiben könnten, wird sie schon zur Besinnung bringen. Ich habe mir jede erdenkliche Mühe für den Frieden gegeben und in meinen Depeschen an das Kriegsministerium des wackeren Benehmens der Buern gegen unsere Verwundeten rühmend gedacht. Aber ich finde es nur begreiflich, daß man den Rebellen keine Zugeständnisse machen will, solange sie die Waffen in Händen haben. Wir müssen ihnen einen Denkzettel geben, ehe wir Frieden anbieten. Wer nicht hören will, der muß fühlen.«
Der General trat näher an das Feuer und zog seine Uhr.
»Eine halbe Stunde nach Mitternacht,« sagte er. »Wir müssen um drei Uhr am Fuße des Berges sein, und die Buern müssen, wenn die Sonne aufgeht, von den Kugeln unseres Gatling geweckt werden, der ihnen die Morgenmusik in ihre Ochsenwagen hineinpfeift.«
Nach diesen Worten drehte er sich um und ging wieder den Gebäuden zu. Pieter Maritz blickte ihm nach und überlegte, was er gehört hatte. Da vernahm er die Stimme des Sergeanten, welcher mit höhnischem Tone sagte: »Nun, alter Seher, was haben Sie denn wieder auf dem Rohre?«