»Guten Tag, Neffe,« antwortete der Buer, ohne sich zu regen.
»Wollt Ihr uns die Nacht beherbergen?« fragte Pieter Maritz.
»Wer seid ihr und wo wollt ihr hin?« fragte der Buer dagegen.
Jetzt kam der Missionar heran und gab dem Hausherrn Auskunft über Ziel und Zweck der Reise.
Der Buer reichte dem Missionar die Hand und lud ihn ein, hereinzukommen. Den Schwarzen wies er einen Platz an, wo sie ausspannen könnten.
Der Missionar und Pieter Maritz traten in die Stube, deren Boden einer Scheunentenne glich und aus Lehm und Kuhmist bestand, die zu einer festen, glatten Masse vereinigt und festgestampft waren. Auf einem der handfesten Holzstühle saß die Frau, welche von den Gästen höflich als Tante begrüßt wurde. Sie war eine behäbige, runde Frau mit rot glänzendem Gesicht und hatte in den Händen eine große silberne Schnupftabaksdose, aus der sie von Zeit zu Zeit bedächtig eine Prise nahm. Neben ihr saß eine erwachsene Tochter, blondlockig und blauäugig, welche den Gruß der Gäste erwiderte, ohne von ihrem Schoß aufzusehen, wo sie ein Paar lederne Beinkleider nähte. Ein Knabe von zehn Jahren saß zu Füßen der Mutter und schnitzte einen Elefanten aus Holz.
Der Buer ging an einen Schrank, holte eine Flasche und ein Glas hervor und schenkte den Ankömmlingen und sich selbst ein Zoopje zum Willkommen ein. Dann spuckte er höchst kunstvoll durch die halbe Stube hin aus dem Fenster und gab der Frau den Auftrag, für das Abendessen zu sorgen. Sie ging hinaus, und bald darauf kam eine schwarze Dienerin mit einer Schale Wasser und einem Tuche herein. Sie hockte vor dem Missionar nieder und lud ihn ein, sich zu waschen. Nachdem er sich Gesicht, Hände und Füße gewaschen hatte, erwies sie Pieter Maritz denselben Dienst.
Als dann auf dem großen schweren Tisch die mächtige Schüssel mit Maisbrei dampfte und daneben Rinderbraten und Schaffleisch aufgestellt waren, traten nach und nach sieben erwachsene Söhne herein, die vom Felde kamen, allesamt mit langsamem, gewichtigem Schritte, sechs Fuß hoch, breitschulterig und ungehobelt. Dazu erschienen fünf Töchter, die aus der Küche und dem Garten kamen, tüchtige Mädchen mit roten Gesichtern und breiten harten Händen. Sie traten alle an den Tisch heran und falteten die Hände. Dazu kamen vier schwarze Dienerinnen in roten wollenen Röcken herein und stellten sich bescheiden an die Thür.
Der Baas setzte sich an das eine Ende des Tisches und lud den Missionar ein, sich neben ihn zu setzen. Auch die Tante setzte sich. Alle andern aber standen. Nun nahm der Baas seinen Hut ab, schlug eine Bibel mit Messingbeschlag auf, die vor ihm lag, und las einen Psalm. Es war noch hell, die Sonne stand über dem Horizont und schien durch die Fenster herein. Er las langsam und bedächtig, und alle hörten voll Andacht zu. Dann klappte er das Buch zu, und das Essen ging an. Die Familie saß um den Tisch herum, und die farbigen Mädchen bedienten. Ein jeder hatte einen Teller, aber nur die Gäste außer dem Hausherrn und der Hausfrau hatten Messer und Gabel. Die Söhne zogen ihr Taschenmesser hervor, wetzten es an der Schuhsohle und zerschnitten damit ihr Fleisch. Gewaltige Haufen des köstlichen Maisbreies vertilgten sie alle. Zum Nachtisch boten die Dienerinnen herrliche Früchte an: Apfelsinen, Pfirsiche, Feigen und Weintrauben. Zum Beschlusse ward den Männern wieder ein Zoopje eingeschenkt und hierauf das Dankgebet gesprochen.
Herrlich schliefen in dieser Nacht die Reisenden in wirklichen Betten.