Schon früh am Morgen wachte Pieter Maritz auf und ging alsbald in den Stall, um Jager zu füttern und zu putzen. Es hatte ihm gestern einen kleinen Stich gegeben, daß die Pferde der Engländer blanker aussahen als Jager; aber Jager hatte auch in der letzten Zeit viel durchmachen müssen, Sturm, Regen und glühende Sonne hatten sein Fell sehr mitgenommen. Nun hatte das Pferd sich in Botschabelo erholen können, es sah sehr frisch und munter aus, und Pieter Maritz versuchte, ihm durch eifriges Reiben mit Strohwischen einen schönen Glanz zu geben. Auch Dragoner stellten sich bald darauf im Stalle ein und putzten ebenfalls. Pieter Maritz bekümmerte sich nicht viel um sie, sattelte Jager und ritt hinaus, um sich nach dem Wagen des Missionars umzusehen. Er fand Kobus, Jan und Christian damit beschäftigt, die Zugochsen auf den Wiesen zusammenzutreiben, und kehrte dann nach Fort Wilhelm zurück, fest entschlossen, sich dem Zuge des Missionars zuzugesellen.
Als er in den Hof der kleinen Festung einritt, sah er, daß die Dragoner sich zum Abmarsch ordneten. Der jugendliche Leutnant hielt zu Pferde vor ihrer Front, und neben ihm standen mehrere der Brüder, welche sich mit ihm unterhielten. Der Leutnant warf einen Blick auf Pieter Maritz und rief plötzlich: »Da ist ja unser ungehobelter Bauernbursche von gestern. Er kann sich heute nützlich machen. Wir haben noch keinen Führer. Gewiß kennt er diese Gegend ganz genau. Komm einmal her, Bursche, du sollst uns führen. Wir wollen auf dem besten Wege nach Pretoria.«
Pieter Maritz ritt näher, sah dem Engländer voll Trotz ins Auge und sagte: »Wenn ich den Weg auch kennte, so würde ich Euch doch nicht führen.«
»Oho!« rief der Leutnant. »Das klingt ja wie Widersetzlichkeit. Ich gebe dir hiermit den Befehl, uns zu führen.«
»Und ich führe Euch nicht,« entgegnete Pieter Maritz. »Niemand hat mir Befehle zu geben, ich bin ein freier Bürger von Transvaal, der südafrikanischen Republik.«
»Sieh doch,« rief der Leutnant höhnisch lachend, »da kann man sagen: wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen. Aber weißt du wohl, daß du da Hochverrat verübst, mein Junge? Es giebt keine Republik Transvaal. Ihre Majestät erwartet von jedem ihrer Unterthanen Gehorsam und verlangt, daß ihren Truppen auf Verlangen jede Hilfe und jeder Vorschub von seiten der Landeseinwohner geleistet wird.«
Der Wachtmeister drängte jetzt sein Pferd an das des Offiziers heran und sprach leise zu ihm.
»Ach was,« entgegnete dieser laut, »wenn wir auch den Weg ohne den Burschen finden können und ihn deshalb nicht unbedingt nötig haben — er soll lernen, wer hier Gebieter ist und wem er zu gehorchen hat. Wir thun ein gutes Werk, wenn wir ihm das beizeiten einprägen, damit er es im Gedächtnis hat, wenn er älter wird. Der Bauernsohn reitet mit uns.«
»Ich bitte, Mylord, die Sache nicht zu weit zu treiben,« sagte jetzt der greise Missionar, welcher inzwischen herbeigekommen war. »Der Knabe ist mein Reisebegleiter, ich stehe für seine gute Gesinnung ein. Wenn er sich unehrerbietig geäußert hat, so liegt das in seiner Unkenntnis der politischen Verhältnisse, aber kommt nicht aus bösem Willen.«
»Wir wollen ihm ja nichts zuleide thun,« entgegnete der Offizier. »Er soll nur einsehen, daß er nicht, wie er sich nennt, ein freier Bürger der Republik Transvaal, sondern ein Unterthan der Königin von England, Gott beschütze sie, ist.«