Pieter Maritz konnte sich bei diesen Worten nicht mehr halten. Er sprang auf und rief dem Engländer zu: »Wenn du die Transvaal-Buern kenntest, so würdest du das nicht sagen. Weder von den Niggern noch auch von euch Engländern werden sie gefressen werden.«

»Das ist wohl einer von ihnen, ein echter Bauernjunge!« sagte der Lord höhnisch. »Mache, daß du hinauskommst, Schlingel.«

Wenn nicht in dieser Sekunde der alte Missionar den Knaben am Arm ergriffen und festgehalten hätte, so würde es einen schlimmen Auftritt gegeben haben. Denn Pieter Maritz war so sehr außer sich, daß er den Offizier thätlich angreifen wollte. Aber der Missionar brachte ihn bald zur Ruhe.

»Was willst du thun, Unbesonnener?« sagte er in holländischer Sprache. »Willst du das Haus deiner Wirte in Gefahr bringen? Halte dich ruhig, die Demut ist die erste Tugend des Christen.«

Pieter Maritz ließ sich widerstandslos von dem verehrten Manne hinausführen, obgleich das Blut ihm in den Adern kochte. Draußen stand er schwer atmend still und starrte dem Missionar ratlos in das Gesicht. Das Gefühl der erlittenen Beleidigung stritt in ihm mit dem Wunsche, gehorsam und gut zu sein.

»Du bist brav,« sprach der Missionar, der den Zwiespalt der Gefühle in des Knaben Brust begriff. »Ich freue mich, daß du mir folgst, denn sich selbst zu besiegen ist die größte Heldenthat. Wir müssen vorsichtig sein, daß wir nicht den Bestand unserer Station gefährden. Dieser unerfahrene und unbesonnene Fant, der die Dragoner befehligt, könnte uns, wenn ihm Widriges begegnete, in ein schlechtes Licht bei der britischen Regierung bringen, die doch einmal unsere Obrigkeit ist und Gewalt über uns hat.«

»Es ist aber sehr schwer, sich so etwas gefallen zu lassen,« antwortete Pieter Maritz. »Dergleichen ist mir noch niemals begegnet.«

Der Missionar zuckte die Achseln. »Du bist auch noch jung,« sagte er, »und du kennst noch nicht den Übermut der Großen der Erde. Dieser junge Mann ist ein Lord, das heißt, er ist aus einer sehr vornehmen englischen Familie, und die vornehmen Engländer sind den Königen gleich, da sie die Ersten sind in einem Staate, der über viele große und reiche Länder gebietet. Aber freilich, du weißt ja auch nicht, was ein König ist.«

Der Missionar kehrte nach diesen Worten wieder um und ging, nachdem er Pieter Maritz gebeten hatte, das Speisezimmer zu vermeiden, zu der Gesellschaft zurück. Dieser aber wandte sich, durch einen lauten Lärm angezogen, einem andern Teile des Gebäudes zu. Aus Mangel an Raum war den Dragonern ein grüner Rasenplatz inmitten der Häuser als Aufenthaltsort zum Speisen angewiesen worden, und hier saßen sie in fröhlichem Lärm an mehreren gedeckten Tischen. Sie hatten ihre langen schweren Pallasche und Karabiner in die Ecken gestellt und an den Wänden aufgehangen, hatten die weißen Korkhelme, welche sie in den tropischen Klimaten anstatt der gewöhnlichen Helme tragen, beiseite gelegt und ließen sich den Antilopenbraten und das Schöpsenfleisch, welches ihnen in reichen Massen aufgetragen wurde, vortrefflich schmecken. Dazu tranken sie Branntwein und ein leichtes Bier, welches in Botschabelo selbst gebraut war.

Pieter Maritz fand, daß nicht er allein da war, um sich die Fremden anzusehen. Viel Volk aus dem Dorfe war heraufgekommen, und einige hübsche junge Weiber hatten ihre Halsketten von Tigerzähnen, Glasperlen und kleinen Schildkröten umgehängt, ihre besten Tücher und Röcke umgethan und zeigten sich lachend von ferne, um ebensowohl gesehen zu werden als selbst zu sehen. Es währte auch nicht lange, so wurden sie von den Dragonern hereingerufen, und Pieter Maritz wunderte sich, zu sehen, wie die Krieger mit den schwarzen Mädchen scherzten und Späße trieben, ganz unähnlich dem ehrbaren Benehmen in den Familien und Versammlungen der Buern. Und auch über das jugendliche Aussehen der meisten Dragoner wunderte er sich. Der Wachtmeister zwar war ein starker Mann in den höheren Jahren und glich wohl den Gestalten, die er unter den Seinigen als Krieger kannte, aber viele von den Gemeinen waren junge Leute, welche nicht sehr kräftig aussahen. Pieter Maritz zog sich bald zurück. Er mochte es nicht mit ansehen, wie die fremden Soldaten hier tranken und lachten und thaten, als ob sie die Herren wären. Er besuchte noch den treuen Jager, um sich zu überzeugen, daß die Gesellschaft der Dragonerpferde ihm nichts von seiner Bequemlichkeit raube, und ging dann in seine Kammer in einem der Nebengebäude zwischen den Ställen, um zu schlafen. Noch indem er die Augen schloß, sah er Lord Adolphus Fitzherbert mit den weißen Händen und der hochmütigen Miene vor sich stehen.