»Ich wollte lieber, ich hätte den Hals gebrochen!« murmelte er voll Ingrimm und schloß dann finster und trotzig die Augen.

Der Kaffernarzt war inzwischen aufgestanden und braute nun in einem Gefäße, welches aus einem Straußenei gearbeitet war, ein Getränk, welches er für heilkräftig halten mochte. Er mischte den milchigen Saft von Kräutern mit Wasser, drückte eine Apfelsine darüber aus und brachte diesen Trank dem Verwundeten. Dieser sah das Gefäß und den Inhalt mit höchst verächtlicher Miene an, mochte aber wohl sehr durstig sein, denn er probierte und trank dann alles aus.

Eine dunkle Gestalt erschien jetzt neben seinem Lager, der Anführer der Bande war herangeschritten. Er hatte seinen Mantel zurückgelassen und stand fast nackt da, die geschmeidigen und muskelstarken Glieder in ihrem schönen Ebenmaß zeigend. Die weißen Raubtierzähne um seinen Hals leuchteten auf der glänzend schwarzen Haut, der breite Armring funkelte gleich dunkelfarbigem Golde, und eine weiße Straußenfeder wallte von seinem Haupte. Der Engländer betrachtete ihn voll Staunen über den kriegerischen Stolz, der sich in seiner Haltung aussprach, und mochte wohl verwundert sein über den Unterschied, den er zwischen diesem freien Krieger und den sklavischen Schwarzen fand, die er bis jetzt während seines kurzen Aufenthaltes in Afrika kennen gelernt hatte. Doch war Lord Adolphus Fitzherbert keineswegs in Furcht, sondern zeigte den Stolz des Briten und des vornehmen Mannes auch in der Gefangenschaft und daniederliegend.

»Sprecht Ihr englisch, mein schwarzer Freund?« fragte er mit energischem Tone.

Der Anführer schüttelte den Kopf zum Zeichen, daß er nicht verstanden habe.

»Wenn Ihr diesem Manne etwas zu sagen habt, so will ich es ihm gern übersetzen; er versteht holländisch,« sagte Pieter Maritz freundlich zu dem Offizier.

Der Leutnant wandte sich zu dem Knaben und nickte dankend. »Ihr seid sehr gütig,« sagte er, »und ich werde Euch verbunden sein, wenn Ihr diesen Halunken mitteilen wollt, daß ich sie alle werde hängen lassen, wenn sie mich und mein Pferd nicht dahin zurückbringen, von wo sie mich geholt haben.«

Der Knabe schüttelte den Kopf. »Ihr handelt nicht klug, Mynheer,« erwiderte er. »Ihr könnt niemand hängen lassen, wenn diese Kaffern Euch umbringen, und wir sind doch beide in ihrer Gewalt.«

»Sie werden es nicht wagen, mich umzubringen,« entgegnete der Engländer. »Sie wissen recht gut, daß der Gouverneur diesen ganzen Wald mit allen schwarzen Spitzbuben, die darin stecken, ausräuchern würde, wenn man einem seiner Offiziere ans Leben ginge.«

Nachdem der Leutnant so gesprochen hatte, mochte er aber wohl selbst die Thorheit seiner Prahlerei einsehen, denn er setzte hinzu: »Ihr kennt aber wahrscheinlich diese Art Leute besser als ich, und wenn Ihr es für klüger haltet, so sagt ihnen, sie sollten eine große Summe Geldes haben, wenn sie mich nach Pretoria brächten.«