»Ich beschwöre Euch, Baas, laßt diese Leute in Frieden,« entgegnete der Missionar. »Sie sind Abgesandte Tschetschwajos, des mächtigen Zulukönigs, und sie haben friedliche Absichten. Sie sind ausgesandt, um sich nach dem Christentum zu erkundigen, und ich erkenne die Liebe Jesu Christi darin, daß er das Herz des wilden Tschetschwajo gelenkt hat.«
Der Baas schüttelte den Kopf, nahm die kurze Thonpfeife aus dem Munde, strich den grauen Bart und sagte mit grimmigem Lächeln: »Tschetschwajo wird sich wenig um das Christentum bekümmern, alter Freund, es ist ihm um Raub und Mord zu thun, und diese Leute sind seine Spione. Auch hat er Missionare in seinem eigenen Lande, bei denen er genug über das Christentum erfahren kann, wenn er sich wirklich um dergleichen kümmerte. Aber es ist das alles ganz gleichgültig. Entweder sind diese beiden Männer Spione, und dann müssen sie tot geschossen werden, oder sie sind es nicht, und dann gebietet die Vorsicht, sie tot zu schießen, ehe sie es werden können. Denn es ist besser, diese Pfefferköpfe sterben, als daß Menschenblut vergossen wird.«
»O, ich bitte Euch, hört auf das Wort eines Mannes, der ein halbes Jahrhundert lang in diesem Lande dem Evangelium diente,« sagte der Missionar. »Sind denn die Schwarzen keine Menschen? Ihr seid nun in böser Stimmung, weil Ihr mit den Schwarzen erst gestern habt kämpfen müssen. Aber auch ich könnte in böser Stimmung sein, denn sie haben mir das Haus niedergebrannt, darin ich zehn Jahre lang ein Lehrer der Liebe war, und sie haben mir meine Gärten und Pflanzungen verwüstet. Doch wäre ich nicht wert, ein Diener Christi zu sein, wenn Groll gegen die Unwissenden und Ungläubigen in mein Herz eindringen könnte. So sollt auch Ihr gedenken, daß Ihr Christi Diener seid, denn Ihr seid Christen unter den Heiden und ein lebendiges Vorbild. Dazu sind diese Männer von einem andern Stamme und haben Euer Blut nicht vergossen.«
»Wie könnt Ihr das sagen?« entgegnete der Baas. »Sie sind vom Volke der Zulus, die beständig unsere Grenzen belästigen und mit denen unsere Brüder im Osten beständig Krieg führen. Eben dieses Zuluvolk war es, das uns vor zwei Jahren auf Anstiften der Engländer angriff und den Engländern zu einem Siege verhalf, den sie allein sicherlich nicht errungen hätten. Diese beiden sind nichts als Spione, die ausgesandt sind, um zu erforschen, wo der beste Angriffspunkt für Tschetschwajos wilde Horden ist. Dazu reden sie englisch, und das ist der deutlichste Beweis, daß sie unsere Feinde sind. Laßt uns denn nicht mehr viel Worte verschwenden, sondern ein Ende machen mit diesen Halunken. Zwei schwarze Teufel weniger macht zwei Feinde weniger, wie die Zeitläufte nun einmal sind.«
Die Buern machten von neuem ihre Gewehre fertig, denn das Ansehen und die Meinung ihres Ältesten überwog den Eindruck der Worte des Missionars. Dieser aber stellte sich den Mündungen entgegen und erhob von neuem seine Stimme.
»Diese Leute reden englisch, weil sie mit englischen Handelsleuten hierher gereist sind, und sie haben diese Sprache erst auf der Reise gelernt. Sie haben Hunderte von Meilen durchwandert, um die Stationen der Mission zu besuchen. Sie werden nach ihrer Rückkehr den gesegneten Samen des göttlichen Wortes im Lande der Finsternis verbreiten. Ihr begeht ein schweres Verbrechen, wenn Ihr der Lehre des Evangeliums hindernd in den Weg tretet und das Blut von Männern vergießt, die der Herr zu Trägern seines Wortes bestimmt hat.«
»Sind sie Christen geworden?« fragte Baas van der Goot.
»Nein,« sagte der Missionar, »sie sind noch keine Christen, aber ich hoffe, daß sie es noch werden, wenn sie näher mit dem Evangelium bekannt geworden sind.«
Von neuem erschien das grimmige Lächeln auf dem Gesichte des alten Buern. »Mein Freund,« sagte er, »ich will nicht so weit gehen, zu behaupten, daß Ihr uns betrügt, obwohl es klug wäre, in jetziger Zeit sich vor jedermann zu hüten, der nicht von holländischem Blute ist. Ihr seid zwar kein Engländer, doch Ihr seid ein Deutscher. Aber ich behaupte, daß diese schlauen Halunken Euch betrügen. Sie sind ausgeschickt, um die Menge der Büchsen zu zählen, die wir ins Feld führen können.«
»Ihr sagt, ich wäre ein Deutscher,« rief der Missionar eifrig, »aber das darf Euch kein Grund des Argwohns sein. Niemals mischen wir Missionare uns in die Politik, wir halten uns fern von Händeln und vom Streit und sind alle Brüder, mögen wir Holländer, Engländer oder Deutsche sein. Dafür zum Beweise seht hier die heilige Schrift! Dies selbe Buch hat Euerm großen Landsmann van der Kemp gehört, aus seinen Händen ging es in die meines Lehrers, des Engländers Moffat, über, und nun lehre ich aus ihm die heilige Predigt.«