Die Beleidigte wendete sich von ihm ab und rief ihren Töchtern zu: »Jetzt kommt, Kinder! kommt gleich mit nach Hause! Es war sehr unrecht, Euch in Pension zu thun. Euer Vater will, Ihr sollt Häuersweiber werden wie das Gänseblümchen, die Hedwig. Kommt! Ihr setzt keinen Fuß wieder in die Pension, und Du, Brunhild, vergissest Deinen Alexis! Vielleicht findet sich auch noch ein Steiger für Dich – armes – unglückliches – Kind –« und ihre Stimme erstarb in Schluchzen.
Da brach dem Schichtmeister das Herz. Er kratzte sich den Kopf – er besann sich – es galt, sich zur Zahlung von 400 Thalern nach Ablauf von drei Monaten verbindlich zu machen. – Die Erbschaft seiner Frau, so redete er sich in der Erregung des Herzens ein, die Erbschaft mußte bis dahin eingehen, und wenn nicht, so wäre darauf inzwischen schon ein Darlehn zu erlangen. – Er ging in den Laden zurück und unterzeichnete den schon ausgefüllten Wechsel. Seine Hand zitterte, aber doch war ihm leichter ums Herz, als er, den Kasten mit dem erstandenen Geschmeide in den Händen, zu seiner Frau trat.
Die vier Familienglieder verfügten sich nun zu der »Frau Magisterin«, bei welcher Brunhild und Klotilde sich jenen schimmernden Anstrich holten, der in gewissen Gesellschaftskreisen für die Blüthe der Erziehung gilt. Als sie nur wenig Minuten das Haus des Goldschmieds verlassen, trat bei diesem ein einzelner, auch bergmännischer Besuch ein. Ein langer, hagerer Graukopf mit dem Abzeichen eines Grubensteigers. Sein gefurchtes Gesicht ließ ihn älter erscheinen, als er war. Sein Glückauf! war nicht das helle, herzhafte, wie es gewöhnlich aus der Knappen Mund ertönt, es klang hohl und traurig. Der Goldschmied führte ihn in ein kleines Bureau, das hinten an den Laden stieß. Der Steiger brachte aus seinem Kittel ein Päckchen in Papier, das ihm der Goldschmied hastig abnahm und mit den Händen wog. »Es scheint leichtes Gut zu sein,« sagte er.
»Leicht?« versetzte der Steiger; »ich wette, daß Sie noch nie schwereres Erz in den Händen gehabt, sehen Sie es nur erst an!«
Der Goldschmied entfernte das Papier und vergaß einen Augenblick den Kunstgriff des Wucherers, das zu kaufende Gut mit Geringschätzung zu betrachten.
»Wie viel haben Sie von dieser Art?« fragte er.
»Zwei Centner,« antwortete der Steiger mit einem tiefen Seufzer.
»Freilich wenig,« sagte der Goldschmied; »wird sich kaum des Schmelzens verlohnen.«
»So sprechen Sie immer,« sagte der Steiger; »aber ich weiß so gut wie Sie, was in dem Erze steckt, und was sich herausschmelzen läßt.«