»Das scheint mir selbst so,« sagte der Doctor, »und nun ist er Ihnen ein Stück näher gerückt; ich meine in Betreff seiner Heirathsabsichten.«
»Das mag er sich einbilden, aber daß er sich täuscht, dafür bin ich da!«
»Er scheint aber ein Fuchs zu sein, hat er doch auch schon den Baron für sich eingenommen. Der hat ihn jetzt freundlich zu sich eingeladen, um ihm ein Buch zu schenken. Wenn der Mensch da nur nicht von seiner Liebschaft plaudert!«
»Das wäre ja gräßlich! Was meinen Sie, da wäre der Baron wohl im Stande, die Verlobung rückgängig zu machen?«
»Das schon nicht,« erwiederte der Doctor lächelnd der erschrockenen Frau, »dazu liebt er die Brunhild zu innig; ja ich glaube, er könnte mit seinem guten Herzen wohl der Fürsprecher des Schleichers werden, aber auch dadurch sein eigenes Glück gefährden. Ich weiß, was es bedurft hat, den alten Herrn für die Verbindung mit einer so anständigen Familie, wie die Ihrige ist, zu gewinnen. Hätte ich nicht meine eigene Angelegenheit vor ihm einstweilen in den Hintergrund treten lassen, so weiß ich nicht, ob Sie so bald Hochzeit halten würden, als es nun der Fall sein wird.«
»O, Sie guter, lieber Herr Doctor!« sagte die Frau, seinen Arm drückend, »wie dankbar müssen wir Ihnen sein! Aber verlassen Sie sich auch darauf, daß wir Ihren Empfehlungen keine Schande machen werden. Lassen Sie nur erst die Hochzeit vorbei sein, dann muß das Frauenzimmer zu fernen Verwandten. Jetzt bei dem Drasch, den wir haben, kann ich sie nicht entbehren.«
Leise flüsterte der Doctor ihr zu: »Lassen Sie das Mädchen lieber da, vielleicht findet sich ein Mittel, den Steiger unschädlich zu machen – wir sprechen weiter darüber – auf Wiedersehen!« Damit trennten sie sich.
Die Schichtmeisterin begab sich jetzt nach der Pension ihrer Kinder, wo sie ihrem Manne das Rendezvous gegeben, das sie aber um eine Stunde versäumt hatte. Er hatte, wie wir gesehen, sie inzwischen gesucht, war aber zuletzt wieder an den verabredeten Ort gegangen und traf, abermals zum Suchen ausgehend, sie unter der Thür.
»Endlich!« rief er, »Du bist aber doch auch gar zu sorglos, Frau!«