»Sorglos? Ich?« rief sie erstaunt. – »Nun bitt' ich einen Menschen, zu entscheiden, wer mehr sorgt und schafft in dieser Zeit wie ich!«
»Geh hinauf, Klotilde,« sagte der Schichtmeister, »ich muß mit Deiner Mutter noch einen Weg gehen.«
Klotilde gehorchte, und der Schichtmeister nahm den Arm seiner Frau, blieb aber in der Hausflur stehen und sagte: »Weißt Du auch, daß wir verloren sind? Morgen ist der Wechsel fällig, und die Post ist wieder angekommen, ohne eine Entscheidung Deiner Angelegenheit, geschweige gar Geld zu bringen!«
»Nun, der Goldschmied wird wohl prolongiren,« sagte sie.
»Nicht eine Stunde. – Ich war bei ihm, bat ihn, fiel ihm bald zu Füßen, – umsonst: er erklärte, er könne nicht anders, er habe in jüngster Zeit solche Ohrfeigen von unsicheren Schuldnern bekommen, daß er nicht mehr schonen könne. Wenn der Wechsel morgen nicht gedeckt wäre, müsse er nach Wechselrecht verfahren.«
»Um des Himmels willen!« rief die Frau, die Hände zusammenschlagend; »was wird da aus meinen Kindern? was aus Brunhild? Dich setzen lassen, – Herr des Himmels! das wäre ja ein Schlag, der alle Hoffnungen vernichtete! Komm, Mann! ich will selbst mit zum Goldschmied gehen, – er muß noch warten, ich will ihm meine Erbschaft verpfänden, – komm!«
Sie gingen zu dem Wucherer. Er empfing sie mit triumphirender Miene und führte sie in sein Zimmer. »Ist vielleicht die Erbschaft angelangt?« sagte er, »das wäre mir höchst erwünscht.«
Die Schichtmeisterin berichtigte seinen vermeintlichen Irrthum und brachte ihren Vorschlag an.
»Es thut mir leid, verehrte Frau,« entgegnete der Goldschmied, »darauf kann ich mich nicht einlassen. Ich bin schon zu sehr geprellt worden, – verzeihen Sie, – aber in Geldsachen keine Freundschaft! – bis morgen Abend um fünf hab' ich mein Geld, oder der Herr Schichtmeister sitzt im Stockhaus. Ich kann's nicht ändern.«
»Aber Mann! Sie werden doch kein solcher Tyrann sein?« rief die Schichtmeisterin. – »Sie werden uns doch nicht unglücklich machen wollen? Denken Sie doch an meine Kinder, meine armen, unschuldigen Kinder, – meine Brunhild, die dieser Schlag auf der Stelle tödtete!«