»Die Kinder, – hm, – die Kinder,« sagte der Wucherer im Tone des Mitleidens, – »um ihretwillen könnte man schon ein Uebriges thun.« –

»O Sie Guter!« rief die Frau, dem Manne fast um den Hals fallend, und der Schichtmeister sagte: »Ja, Herr Reichel, um meiner Kinder willen lassen Sie Billigkeit walten. – Nur noch kurze Zeit Geduld, und Sie sollen mit gutem Zins bezahlt werden.«

»Die Zeiten sind schlecht, sehr schlecht,« sagte der Wucherer, eine Thräne im Auge, – »aber Ihre Fräulein Tochter ist ein herrliches Geschöpf, – ja, die Natur hat sie sichtlich zu etwas Hohem bestimmt; es wäre jammerschade, wenn sie an der Schwelle ihres Glückes ins tiefste Elend geschleudert würde.« –

Die Schichtmeisterin schluchzte laut auf, dem Schichtmeister blutete das Herz.

»Ich will Ihnen etwas sagen,« fuhr der Goldschmied fort, »borgen kann ich nicht länger, aber aus Erbarmen mit Ihrer lieben Fräulein Tochter will ich – könnte ich – nun, man ist auch ein Mensch – ich könnte – für Sie freilich ist es ein Leichtes, ich riskire doppelt und dreifach dabei, aber was thut man nicht aus christlicher Liebe! – ich könnte mich allenfalls zur Annahme von Waare an Zahlungsstatt verstehen.«

»Waare?« rief die Frau; »was für Waare sollen wir Ihnen denn bringen? Ich habe unbeschränkten Credit bei den Schnitt- und Modehändlern.«

»Sie verstehen mich nicht,« sagte der Goldschmied lächelnd, »ich kann doch keinen Schnittladen etabliren! Ich meine: der Herr Schichtmeister soll mir von seiner Waare liefern.«

»Von meiner Waare?« rief der Schichtmeister zusammenfahrend, »was hab' ich denn für Waare?«

»Ich glaube, die Frau Schichtmeisterin versteht mich nun, ich kann mich nur auf Waare einlassen, die in mein Fach schlägt, denken Sie, ich wäre der Schuster und Sie der Gerber, liefern Sie dem Schuster Leder!«