Der Schichtmeister sah starr zur Erde. Der Wucherer wechselte mit der Frau einen Blick der Verständigung.
»Ich sehe, Sie sind unentschlossen,« sagte er dann zu dem Schichtmeister, »und Unentschlossenheit steckt an, ich finde doch, es sei gut, daß ich mir die Sache selbst erst noch überlege. Was Ihnen bedenklich scheint, muß es mir doppelt sein. Gut! ich will aus warmem Antheil an Ihrem Familienglück den Wechsel um acht Tage prolongiren, bis dahin wollen wir uns den Handel überlegen, aber ich schwöre, daß ich länger keinen Augenblick warten kann.«
Wie Verhungernde ein Brodkrümchen, ergriffen die beiden Gatten die dargebotene Frist. Sie schmeichelten sich mit der Hoffnung, daß inzwischen der Erbschaftsstreit sich entscheiden und sie in den Besitz der nöthigen Zahlungsmittel bringen müsse. So gingen sie heim.
VII.
Der Schichtmeister und seine Frau sollten sich sehr bald enttäuscht sehen. Am folgenden Morgen brachte der Postbote ein Schreiben von ihrem Sachwalter aus der Kreisstadt, dem das appellationsgerichtliche Erkenntniß in ihrer Sache beilag, und dieses Erkenntniß sprach der Gegenpartei die Erbschaft ungetheilt zu. Das war ein fürchterlicher Schlag. Zwar vertröstete der Sachwalter auf das drittinstanzliche Urtheil, welches gewiß das erste Erkenntniß wieder herstellen würde, – aber welche weit hinausgeschobene Aussicht war das, wie nutzlos für die Gefahr, in der man schwebte!
Brunhild, welcher aus den aufgeregten und verstörten Mienen ihrer Eltern eine Ahnung von dem Inhalte der Hiobspost aufging, nahm die Mutter auf die Seite und erbot sich, all' ihren Schmuck, selbst den bezahlten, zurückzugeben; die Mutter und Schwester sollten das Gleiche thun, um den Goldschmied zu befriedigen.
»Wo denkst Du hin, Kind?!« rief die Frau; »in einigen Tagen sollen wir zu Deinem Schwiegervater reisen, sollen uns dem freiherrlichen Hause präsentiren! Wie können wir so ärmlich auftreten, nachdem uns die gnädige Frau so geschmückt gesehen! Da müßte sie ja denken, wir hätten die Sachen blos geborgt gehabt. Nein, das geht nicht! Nur nicht ängstlich, meine Tochter! Es wird sich Alles machen. Der Goldschmied wird befriedigt, kümmere Dich um nichts!« Und sie ging zu ihrem Gatten, der bei ihrem Eintritte schnell ein paar Terzerole im Pulte verbarg. Sie bat ihn, mit in den Wald zu gehen, und er folgte ihr.
»Noth kennt kein Gebot!« begann sie unter den Bäumen, nachdem sie sich sorgfältig umgesehen. »Wir müssen uns in das Unvermeidliche schicken; – einmal ist nicht immer, – und den kargen Gewerken, die ihrem Schichtmeister längst hätten eine Gehaltzulage geben können, da der Vater Abraham so höflich geworden, geschieht nur Recht, wenn wir uns selber helfen.«