Der Schichtmeister fand seine Frau bei Klotilden. Sie war nicht so heiter gestimmt wie er, denn sie hatte den Doctor nicht daheim getroffen. Dieser hatte einen Ausflug gemacht, von dem er erst den dritten Tag zurückkehren würde. Der Schichtmeister theilte ihr, nachdem Klotilde entfernt worden, das auf seiner Seite Geschehene mit.

»Gott im Himmel!« rief die Frau entsetzt aus, »und darüber kannst Du froh sein Mann? Siehst Du denn nicht ein, daß das nur eine Falle ist, die sie Dir legen? Sie wollen Dich los sein und ihren Liebling, den Schleicher Ferdinand, an Deine Stelle bringen! Es ist eine Verschwörung gegen Dein Leben, – begreifst Du das nicht?«

»Du bist entsetzlich, Bertha! Die Herren haben mich wohl auf die Gefahr aufmerksam gemacht und wollten mir es gar nicht verargen, wenn ich eben dem Ferdinand das Wagstück überließe. Aber das duldet einmal meine bergmännische Ehre nicht, und dann ist es für mich der einzige Weg, mit Ehren aus dieser verzweifelten Lage zu kommen.«

»Nein! nein!« rief sie, ihm um den Hals fallend. »Ich lasse Dich nicht, Du darfst Dich nicht opfern, darfst Deine Kinder nicht zu Waisen machen!« Plötzlich durchzuckte sie ein Gedanke, – sie fuhr in die Höhe, ihre Augen funkelten, ihre Nasenflügel dehnten sich weit. »Ich hab's! ich hab's!« rief sie, »weißt Du was? Du versprichst dem Ferdinand die Hand der Hedwig, – und er stiege in die Hölle! Du mußt mir und Deinen Kindern bleiben, – der Ferdinand wird vor Wonne tanzen, wenn ihm plötzlich die Hand seines Herzblattes geboten wird. Kostet ihm das Wagstück das Leben, nun so stirbt ein lediger Mensch und er stirbt im Rausche des Glückes; kommt er davon, nun, so muß die Verlobung so lange geheim bleiben, bis Brunhild Baronin von Brunn ist!«

»Aber was wird dann aus mir? Wie entrinn' ich den Klauen des Wucherers?«

»Folge nur jetzt dem Fingerzeig des Himmels! das Uebrige findet sich.« Bei sich dachte sie: ist nur erst der Aufpasser vom Wetter erschlagen, so haben wir freies Spiel auf dem Vater Abraham; es fällt mir nicht ein, den gemeinen Menschen in die Familie aufzunehmen. Es ward ihr nicht leicht, den Gatten von seinem gefaßten Entschlusse abzubringen; aber endlich siegte der Gedanke, seiner halbverwaisten und arg zurückgesetzten ältesten Tochter sich endlich einmal väterlich gerecht erweisen zu können, über seine Bedenken; und er überließ sich wieder ganz dem Einflusse seiner Frau.

Ferdinand hatte sich inzwischen mit dem ganzen Feuer seines wißbegierigen Geistes über das Werk gemacht, das ihm von dem Obereinfahrer geschenkt worden war. Es war Müller-Pouillet's großes physikalisches Werk, für den armen Steiger ein außerordentlicher Schatz. Der Zufall hatte gewollt, daß ihm im ersten Durchblättern des Werkes die Beschreibung der von Humphry Davy erfundenen Sicherheitslampe in die Augen gefallen war, und in der Erinnerung an das letzte Gespräch mit Mickley ergriff er sogleich den Gedanken, eine solche Lampe nach Anleitung des Buches zu construiren. Er eilte in die Stadt und kaufte sich den dazu erforderlichen feinen Draht. Mochte nun der Schichtmeister selbst den Auftrag der Gewerken übernehmen oder ihm die Ausführung überlassen, jedenfalls sollte die Sicherheitslampe dabei ihre Dienste leisten.

Es war kurz vor dem Schichtwechsel, wo er, schon wieder aus der Stadt zurückgekehrt, mit Hedwig und ihrem Großvater auf der Hausbank saß und Beiden seine schöne Entdeckung mittheilte, als Hedwigs Eltern heimkehrten. Der Schichtmeister forderte ihn sogleich auf, mit ins Zimmer zu kommen, und fragte ihn hier, ob er Hedwigs Hand unter der Bedingung annehme, daß er sich der Versuchsfahrt in den alten Schacht unterziehe. Dem jungen Manne war, als thäte sich plötzlich der Himmel vor ihm auf. »Und wenn zehntausend Kobolde darin hausten, ich führe hinein!« rief er trunken vor Entzücken, – »aber ich nehme Sie beim Wort.«

»Hier meine Hand!« sagte der Schichtmeister. »Bertha, gieb ihm die Deine auch zur Bekräftigung, daß er unser Schwiegersohn werden soll, wenn –«