Der Doctor hielt sich nur noch wenige Augenblicke im Huthause auf. Er eilte nach Pobersdorf zu seinem Vetter, dem er sich früher eben so sehr entfremdet hatte wie seinem Schulkameraden Ferdinand, dem er aber wieder näher getreten war, als er glaubte, ihn brauchen zu können.

»Ich glaube, Du hast es jetzt in der Hand, Steiger auf dem Vater Abraham zu werden,« so eröffnete er jetzt seine Verhandlung mit ihm.

»Wie so?« fragte der Bergmann stutzig.

»Ich habe in der Stadt von Erzpartirerei gehört, die auf dem Vater Abraham getrieben werden soll. Du weißt, der Obereinfahrer ist mein Freund; der hat schon lange auf den Grund des Gerüchtes gespürt, aber umsonst. Durch einen Zufall glaub' ich dem Erzdiebe auf die Spur gekommen zu sein; aber da ich nicht gut selbst die Spur verfolgen konnte, so schwieg ich gegen meinen Freund davon. Täuscht mich die Spur nicht, so ist kein Anderer der Dieb als der – wie heißt er doch! – nun, der Dir die Steigerstelle vor der Nase weggeschnappt hat.«

»Ach, Du meinst den Bergner Ferd–,« sagte der Vetter, »bist ja mit ihm in die Schule gegangen, – der sollte Erz gestohlen haben? – Ja, – meiner Treu! jetzt geht mir ein Licht auf: Der »Boß!« hat 100 Thlr. in der Sparkasse und einen ganzen Schrank voll Bücher, so viel Geld hat ein Häuer nicht übrig, und wenn andere Bergleut' ihre freie Zeit zu Nebenverdienst verwendet haben, ist er daheim gesessen und hat gezeichnet, geschrieben, gerechnet und in Büchern gelesen; da hat er gut gescheidter werden können als Andere, aber er hat auch weniger verdient dabei und doch 100 Thaler gespart, – das geht nicht mit rechten Dingen zu.«

»Nun, ich denke, ich habe seine Geldquelle entdeckt,« sagte der Doctor, »aber ich müßte aus dem Spiele bleiben.«

»Wenn ich Etwas finde, brauch' ich's nur meinem Schwager, dem Bergamtsboten zu stecken, der wird's schon vor die rechte Schmiede bringen.«

»Ganz recht so! mach' Deine Sache, ich werde bei meinem Obereinfahrer das Meinige für Dich thun.« Hiermit schied er.

Die Gesellschaft hatte sich vom Huthause verloren. Ferdinand war angefahren, und Hedwig waltete in der Küche. Da trat ihre Schwester Brunhild zu ihr. »Du hast recht viel Drasch um meinetwillen,« sagte sie in ihrer gewohnten, nur etwas schüchternen Freundlichkeit.