»Arbeiten ist mir ja eine Lust,« erwiederte Hedwig. »Ich wollte, ich könnte wirklich etwas für Dich thun; Du warst immer so gut mit mir, wenn Du's auch vor Deiner Mutter nicht so merken lassen durftest; ich hätte gern an Deiner Garderobe mitgeholfen, aber da läßt mich die Mutter nicht an, weil sie meint, ich hätte keinen Geschmack.«
»Ach, die Mutter quält sich und Andere mit ihrem Geschmacksfanatismus,« sagte Brunhild; »ich will froh sein, wenn ich erst bei meinem Alexis bin, dann hat doch diese peinliche Mutterfürsorge ein Ende. Sag', hast Du den Vater beobachtet?«
»In den Augenblicken, wo ich mit ihm zusammenkomme, wohl,« sagte Hedwig, »Du bist mehr um ihn, kommt er Dir denn auch so verstört vor wie mir?«
»Das wollt' ich von Dir wissen, – o Gott! mir liegt eine fürchterliche Last auf dem Herzen. Ich habe schon gebetet; es wird nicht anders. Seit die Gesellschaft fort ist, kommt mir der Vater ganz verzweifelt vor; er hat sich mit der Mutter gezankt und jetzt auf seine Schreibstube eingeschlossen. Mit der Mutter läßt sich auch seit gestern kein vernünftiges Wort mehr reden; sie ist so leidenschaftlich, und manchmal erschreckt sie mich fast durch ihren Blick. Ich habe sie noch nie so gesehen! Höre Du mich, Hedwig, Du bist gut und klug, glaube mir, ich nehme den herzlichsten Antheil an Deinem Glücke, wenn ich mir es auch vor der Mutter nicht so merken lasse.«
Hedwig zog sie an sich und küßte sie.
»Was ich Dir sagen wollte,« fuhr Brunhild fort, »mir ahnt ein Unheil, – und ich bin eigentlich die Hauptursache davon. Meinetwegen haben sich die Eltern in Schulden gestürzt. Freilich hab' ich gegen den übertriebenen Aufwand geredet, aber die Mutter ließ sich nicht weisen, es wurde gekauft und geborgt auf die Erbschaft los, und darauf hin hat sich der Vater auch verleiten lassen, dem Goldschmied einen Wechsel von vierhundert Thalern auszustellen, der in diesen Tagen fällig ist. So viel ich wegbekommen habe, ist der Erbschaftsproceß verloren, und nun soll der Vater den Wechsel decken und kann es nicht.«
»Und was droht ihm da?« fragte Hedwig bebend.
»Gefängniß, der Gläubiger kann ihn so lange setzen lassen, bis er zahlt.«
»Barmherziger Gott!« rief Hedwig, »aber so weit wird's doch der Goldschmied nicht treiben?«