Da mußte nun die Schichtmeisterin in dem Manne, den sie erst dem Tode und dann der Entehrung preiszugeben versucht, den Wohlthäter ihres Hauses erkennen. Eine tiefere und heilsamere Beschämung konnte ihr nicht widerfahren.
War Ferdinand nun schon noch immer der Untersuchung unterworfen, so dienten doch die Enthüllungen, welche die Schichtmeisterin ihrem Schwiegervater gemacht hatte, und die dieser dem Obereinfahrer mittheilte, dazu, die Wahrheit völlig ans Licht zu bringen. Mit Schmerz erkannte der Baron die Unwürdigkeit seines Freundes; er schüttelte den Schmarotzer ab und ließ ihm die Wahl, sich entweder über dem Meere eine neue Heimath zu suchen oder ins Gefängniß zu wandern. Der Elende wählte das Erstere. Als Brunn ihn am Bord eines Schiffes wußte, wirkte er auf Niederschlagung des Processes hin, die er auch erlangte, als der Goldschmied eines Morgens im Gefängniß erhängt gefunden wurde.
Der Obereinfahrer Freiherr von Brunn und Steiger Bergner hatten an einem Tage Hochzeit, und es zeigte sich, daß nur in der hoffärtigen Einbildung der Schichtmeisterin die Furcht begründet war, die Familie des Freiherrn werde an der Verschwägerung mit einem redlichen Bergmanne niedern Grades Anstoß nehmen. Gleich nach der Hochzeit begann der neue Betrieb des alten Schachtes; Frenzel wurde Schichtmeister und Ferdinand Obersteiger der vereinigten Vater Abraham Fundgruben. Ein stattliches Huthaus krönt jetzt mit einem Dampfgöpel und anderen Betriebsgebäuden die alte Halde, und an schönen Sommertagen kann der Wanderer auf der Hausbank eine allerliebste junge Frau sich abwechselnd der reizenden Aussicht auf das wiesenthaler Gebirge und der drei kleinen Engel erfreuen sehen, die zu ihren Füßen spielen. An Sonntagen vervollständigt das anmuthige Bild der Vater Obersteiger und nicht selten der Groß- und Urgroßvater vom untern Huthause. Auch hier ist nach jener Lection ein einfältigerer Sinn, Friede und Segen eingekehrt.
III.
Der Gimpelkönig.
1.
Da wo das Erzgebirge an das Voigtland grenzt, ist ein Landstrich, in welchem fast jeder dritte Ort sich auf »grün« endigt. Die Leute dort sagen, das rühre von den vielen Vogelherden her, die es da giebt. Denn »'s Grün« heißt der Platz, worauf der Vogelherd angelegt ist. Die vielen Vogelherde aber deuten auf die Hauptpassion der Bewohner; die Gegend ist weithin bekannt als Vogelstellerdistrikt. Der hat auch einen Vorort – Wellersgrün nennen wir ihn, obgleich er auf der Landkarte anders lautet; doch »grünt« er sich wenigstens.