»Versteh mich recht – Du sollst's nur zum Schein – sollst selbst nicht einen einzigen Vogel fangen, aber sollst einen Vogelherd bauen – dem Alten in den Strich – und ihm so den Fang verderben, Du weißt ja Bescheid damit.«

»Man muß auch den Schein des Unrechts meiden, besonders wenn man sich zu seinem Bekämpfer aufwirft.«

»Auch um dieses Bekämpfens willen ist es gut, wenn Du scheinbar umlenkst. Du hast es ganz falsch angefangen, daß Du so mit der Thür ins Haus fielst. Böse Gewohnheiten sind wie Warzen – Wegschneiden hilft nicht, man muß sie durch Sympathie vertreiben. Jetzt, wo Du das ganze vogelstellende Wellersgrün vor den Kopf gestoßen hast, magst Du noch so schöne Reden wider den Vogelfang halten, Du predigst doch tauben Ohren. Mach' es einmal ganz anders! Gewinne Dir zuerst den Eckstein der Vogelstellerzunft, den Gimpelkönig, geh' ihm in seiner Leidenschaft zu Leibe! Ich verschaffe Dir Gimpel zum Lernen – und Du mußt ein paar lernen, vor welchen sich alle Gimpel des Gimpelkönigs verstecken müssen. Er muß seine Reputation in Gefahr kommen, muß sie auf Dich übergehen sehen – so wird er mürbe und kapitulirt!«

»Vetter!« rief Heinrich und schloß die Wellersgrüner Sicherheitspolizei mit einer Freude in seine Arme, die dieses Institut ihm anderwärts nicht eingeflößt hatte – »Vetter! Du bekommst in meinem Hause deinen Auszug – Dein Plan ist göttlich – daß ich nicht selbst darauf verfiel! – Aber ich bin zu sehr verliebt, dergleichen auszudenken. – Vetter, mach' Deine Sach', ich mache die meine!«


4.

Die Zeit des Gimpelfangs war wieder da, und es that auch noth, denn Meister Ungers Kapelle war durch einen in letzter Zeit ungewöhnlich starken Absatz sehr zusammengeschmolzen und er mußte rekrutiren. Hannchen hatte sich längst auf diesen Zeitpunkt gefreut, denn nun lag ihr Vater zu halben Tagen im Vogelherd und sie konnte den Geliebten unter den Augen ihrer Mutter täglich bei sich empfangen.

Dieser war inzwischen Meister geworden, erfreute sich einer guten Kundschaft, und sein Hauswesen war so in den Stand gesetzt, daß er jeden Tag ein Weibchen heimführen konnte. Bisher war es ihm nur selten vergönnt gewesen, die dazu Auserkorene auf Augenblicke verstohlen zu sprechen – mit welchem Entzücken ging er am ersten Nachmittage, da Meister Unger auf dem Vogelfang war, frank und frei in das ihm geöffnete Haus!

Ein Glück war es, daß der »Kunz-Karl-Fried« nicht im Orte hauste, sonst wäre dem glücklichen Freiersmann die Freude bald wieder versalzen gewesen; aber die Wellersgrüner konnten ihn immerhin zu seinem Schätzchen gehen sehen, die hielten das Geheimniß eines liebenden Paares heilig. Einiges Aufsehen machte es indeß, als man erfuhr, der Sacher Heinrich, der sich in der Schänke so kräftig gegen den Vogelfang ausgesprochen, habe jetzt selbst im Niederwellersgrüner Hammerwalde einen Vogelherd angelegt – aber auch dies fand man bald in der Ordnung, indem man es als ein »Blendwerk« deutete, daß der pfiffige Liebhaber nothgedrungen dem Vater seiner Liebsten vormache, um diesem die Meinung beizubringen, er wäre gleich ihm selber auf dem Vogelfang, während er ganz gemüthlich um das Töchterlein freiete. Als aber Meister Unger die sonderbare Mär von Heinrichs Anstalten zum Vogelstellen hörte, rieb er sich vergnügt die Hände. »Da hat man das Großmaul!« sagte er, »wie es außer der Zeit war, da konnt' er gut wider das Vogelstellen predigen, aber kaum ist die Zeit da, da kann er's selbst nicht lassen. Ja, lehrt mich das nicht kennen! Was einmal zum Vogelfang geboren ist, kann sein' Lebtag' nicht davon loskommen! – Meine Tochter kriegt er aber nun doch nicht!«