»Mit Ihm hab' ich gar nichts zu reden,« versetzte Jener, »und Er hat nichts mit meiner Tochter zu reden, merk' Er sich das, und wenn Er dem Mädel nachläuft, so will ich's Ihm schon einstreichen!«

Das liebende Paar wäre dem Ergrimmten gern um den Hals gefallen, wenn der Ort eine solche Scene gestattet hätte. Mit feuchten Augen fügte sich Hannchen in den Befehl ihres Vaters. Er wollte sie mit in die Schänkstube nehmen, allein sie machte sich los und ging weinend nach Hause.

Heinrich hatte ihr mitgetheilt, auf welche Weise er dazu gekommen war, den Vater so gegen sich zu erbittern, und sie kannte diesen zu gut, um nicht zu wissen, wie ernst und dauernd diese Erbitterung sein mußte. Aber so tief sie darum den Vorfall beklagte, so konnte sie doch dem Geliebten nicht Unrecht geben, daß er so freimüthig als Anwalt der armen Vöglein aufgetreten war, und wiewohl sie bisher über das Unrecht, das in der Liebhaberei des Vogelstellens lag, noch wenig nachgedacht hatte, so war es ihr doch sofort einleuchtend, und mit dem Feuer eines edlen Gemüthes faßte sie den lebhaftesten Abscheu dawider. Es beunruhigte sie sogar, daß sie ihren Vater zuweilen nach dem Vogelherd begleitet, Beeren für denselben gesammelt, auch wohl, wenn er selbst abwesend war, an seiner Statt den Herd besorgt hatte. Sie beschloß, sich künftig solchen Aufträgen nur gezwungen zu fügen. Daheim angelangt, fiel sie ihrer Mutter weinend um den Hals und gestand ihr ihr Glück und ihr Leid. Frau Unger tröstete die Bekümmerte, billigte ihre Liebe, ermahnte sie zur Geduld und versprach ihr, Alles aufzubieten, um ihr den Weg zur Hochzeit zu ebnen.

Den folgenden Tag gab es zwei Brautwerbungen im Ungerschen Hause. Die eine kam schriftlich an die Hausfrau, Rußbuttenlobel war ihr Ueberbringer und Heinrich ihr Absender – die andere brachte Kunz-Karl-Fried in Person bei dem Hausherrn an. Dieser saß indeß nicht auf dem hohen Pferde wie gestern; er war mit einem Rausche heimgekommen, und dessen schämte er sich heute vor seiner Familie. Er nahm daher den ihm so lieben Werber etwas kleinlaut auf und schob, um seine stillzürnende Ehehälfte zu begütigen, ihr die Entscheidung über diese Angelegenheit zu. Frau Unger aber entschied so: »Meister Kunz, Er hat schon Sein Theil – heirath' Er das arme Mädel, dem Er die Ehre genommen!« Verblüfft vernahm der reiche Bewerber diesen Bescheid, stotterte etwas von dem Unpassenden, ein so armes Ding wie die Gemeinte zu seiner Frau zu machen, und zog sich, als ihm hierauf Frau Unger eine tüchtige Lection in Wellersgrüner Hochdeutsch gegeben, mit dem erhandelten Gimpel zurück, jedoch ohne seine Hoffnung auf Hannchens Besitz ganz aufzugeben, da er auf seinen Geldsack und Meister Jobsts Gunst pochte.

Ganz andern Bescheid trug Rußbuttenlobel von Frau Unger heim. Zwar auf eine schriftliche Erwiederung des schriftlichen Antrages konnte die Gute sich nicht einlassen, da es zu ihrer Jugendzeit in Wellersgrün noch nicht Sitte gewesen war, daß ein Mädchen schreiben lernte – aber der freundlichste Gruß und die herzlichste Zusage legte sie dem Liebesboten in den Mund, und dieser war nicht der Mann, der eine Silbe fehlen ließ, wenn er etwas auszurichten hatte. »Was die Einwilligung meines Alten betrifft,« hatte die wackere Frau gesagt, »so wird es zwar etwas Zeit und Mühe kosten, sie zu erlangen, aber einmal muß er doch Ja sagen.«

»Du lieber Gott!« rief Heinrich, als er dies vernahm, »heute über zwanzig Jahre ist auch »einmal!« Da kann mir's gehen, wie dem Lautersgrüner Pastor, – der hat sich mit seinem Schatz auch zwanzig Jahre geschleppt und wie er endlich zu der Pfarre gekommen, daß er hat heirathen können, sind sie beide halb stumpf gewesen!«

»Ich denk', so soll's Dir nicht gehen,« tröstete Lobel, »der alte Gimpelkönig hat zwar einen harten Kopf, aber ich glaub', er ist mürb' zu machen – ich hoffe, Du führst Dein Hannel in Kurzem heim, wenn Du mir folgst.«

»Vetter – Herzensvetter – sprich, was soll ich thun?«

»Du mußt den Alten mürb' machen – mußt mit ihm um die Wette vogelstellen und Gimpel lernen –«

»Nimmermehr!«