»Was der Wollklopper giebt, kann ich auch noch zahlen,« erwiederte der Müller, »ich nehme den Vogel für einen Doppellouisd'or, aber den Bauer müßt Ihr zugeben.«
»Für eine Metze Heugesäm' – topp! – Wirthschaft, ein Fläschel zum Leihkauf!« rief der Verkäufer. Während der Wirth dem Befehl nachkam, flüsterte der Müller dem Vater Hannchens etwas ins Ohr.
»Da soll doch gleich –« der Fluch erstarb dem empörten Vater auf der Zunge; er sprang auf und eilte zur Thür. Der Ohrenbläser rannte ihm bestürzt nach. »Lieber Meister Unger!« bat er, »seid nicht so hitzig! macht kein Aufsehen! – ich bin dem Hannel gut – und weil wir einmal darauf zu reden kommen, so will ich Euch nur sagen, daß es mein Wunsch ist, Euer Schwiegersohn zu werden.«
Der Alte vergaß seinen Zorn für einen Augenblick. »Wirklich, Karl-Fried? Ist das Euer Ernst?« fragte er erfreut. »Warum habt Ihr mir das nicht schon längst gesagt?«
»Je nun – ich hatte immer das Herz nicht – das Hannel that so apart gegen mich.«
»Ich will ihr das Apartthun schon einstreichen,« erklärte Meister Unger. »Ihr wißt, in meinem Hause bin ich Herr, da gilt, was ich will. Ihr werdet mein Schwiegersohn, Karl-Fried, oder ich will zeitlebens keinen Vogel mehr fangen! Jetzt aber will ich meinen Nickel vom Tanzboden holen, wenn sie mit dem »Leimtiegel« karessirt.«
Er eilte fort und stand in wenig Augenblicken vor den Liebenden, die bei der eben eingetretenen Tanzpause sich in ihren Plauderwinkel zurückgezogen hatten.
»Du gehst augenblicklich mit mir in die Schänkstube oder nach Hause!« herrschte der Vater der Tochter zu.
Hannchen, an unbedingten Gehorsam gegen die Eltern gewöhnt, erhob sich und erklärte, nach Hause gehen zu wollen, wenn sie nicht auf dem Tanzboden bleiben dürfe. Heinrich stand auf und sagte: »Verzeihen Sie mir, Meister Unger, wenn ich Sie beleidigt habe – es war bestimmt nicht meine Absicht –«