»Das würde ihm ja doch nicht verborgen bleiben, wenn der Vogel in Eure Hände käme,« sagte Lobel und versprach alles Mögliche zu thun, um seinem Vetter den Gimpel feil zu machen.
Von Stund' an war es um den letzten Rest von des Gimpelkönigs Seelenruhe geschehen. Der Gesang des Steiermärkers klang ihm in den Ohren, wo er ging und stand. Daheim, auf dem Vogelherd, auf dem Felde, überall war es ihm, als hörte er's tönen: »Kommt a Vogerl g'flogen, setzt sich auf mein'n Hut« – er träumte wachend und schlafend von dem niedlichen Sänger. Er fing schon an, den Zwiespalt mit dem Eigenthümer desselben zu beklagen, begann zu bereuen, daß er ihn beleidigt, geschlagen, aus dem Hause gewiesen – ach! wenn es ihm nur möglich gewesen wäre, dem Beleidigten die Hand zur Versöhnung zu bieten! Wie sich jetzt herausstellte, war es dem Tischler ja mit dem Verdammen des Vogelfanges gar nicht so ernst gewesen, als man es aufgenommen hatte – jetzt ließ sich schon mit ihm leben – aber ihm entgegengehen? – nein – das wäre eine Erniedrigung gewesen, ein solcher Gedanke durfte nicht aufkommen. »Wenn nur das Rußbuttenlobel käme!« seufzte der Geplagte, als er wieder leer vom Vogelherd heimkehrte.
Rußbuttenlobel kam.
»Es kann nicht anders sein,« klagte der unglückliche Vogelsteller dem würdigen Polizeimann, »mein Vogelherd ist behext – zwei Tage hab' ich wieder kein Schwänzel gefangen.«
»Das glaub' ich,« sagte Lobel, »in den letzten zwei Tagen ist mein Vetter beständig auf seinem Herd gewesen, da konntet Ihr nichts fangen, Meister Unger!«
»Wie so? – sagt mir's, wie so?«
»So fragt man die Bauern aus, Meister Unger –«
»Lobel, sagt mir's – es soll Euer Schade nicht sein – der Sacher kann hexen, gelt?«
Lobel machte eine geheimnißvolle Miene, rückte seine Mütze, kratzte sich das Hinterhaupt, nahm den Frager beim Arm und flüsterte ihm ins Ohr: »Versprecht Ihr mir, daß Ihr mich nicht verrathen wollt, Meister Unger?«