Dieser schwor »Stein und Bein« und Lobel sagte darauf: »Der Heinrich hat ein Mittel, alle Vögel eine Stunde im Umkreis an sich zu locken – ich weiß nicht, worin es besteht, aber so viel kann ich Euch sagen: die Kraft liegt im Köder – die Beeren sind in eine Flüssigkeit getaucht, deren Bereitung ich vergebens erforscht habe, sonst hätte ich Euch längst ein Fläschchen davon verschafft –«
»Um's Himmelswillen, verschafft mir eins!« unterbrach ihn der leichtgläubige Hörer.
»Das ist unmöglich, ich müßt' es denn stehlen – das wäre ein schöner Streich von einem Polizeimann. Aber hört – ich weiß einen Weg, Euch zu helfen. So viel hab' ich nach und nach ausspionirt, daß mein Vetter vor jedem Fang frische Beeren – ich glaub', es sind Pfaffenhütle – nimmt und sie auf dem Vogelherd selbst zubereitet. Ihr müßt sehen, wie Ihr solche Beeren in Eure Gewalt bekommt. Der Heinrich bleibt nie wie Ihr einen ganzen Nachmittag auf dem Herd – er geht stundenlang davon weg und wieder hin, wie's ihm gelegen ist. Nun dürft Ihr nur einmal abpassen, wenn er eine solche Pause macht – da schleicht Ihr – ja so, das geht nicht – eine Mannsperson und eine verheirathete Weibsperson darf die Beeren, wenn sie einmal geweiht sind, nicht berühren, sonst verlieren sie ihre Kraft; es muß eine reine Magd sein, welche die Beeren nimmt – und auch nicht zu jeder Zeit darf das geschehen, sondern nur zum Neumond –«
»Ich schick's Hannel,« fiel Meister Unger ein.
»Aber wird die gehen – wird die ihren Herzensschatz bestehlen?«
»Ei was! – so was ist kein Diebstahl, dergleichen kommt unter Jägersleuten vor. Also zum Neumond, sagt Ihr, muß es geschehen?«
»Zu keiner andern Zeit – all solch Hexenwerk will beim Neumond getrieben sein.«
»Gut – wenn haben wir den nächsten Neumond?«
»Uebermorgen.«