»Wenn Ihr denn durchaus nicht voneinander lassen könnt, so habt Euch in Gottes Namen!« sprach der Alte, drängte die Glücklichen von sich weg und schloß dafür den Vogelbauer mit dem Steiermärker in seine Arme.

»Wann soll ich Euch denn die andern dreißig Vögel bringen, Meister Unger?« fragte Rußbuttenlobel vortretend.

»Ihr auch da, Lobel?« rief der Gefragte.

»Ja,« sagte Lobel; »ich hatte Lunten, daß hier 'was Polizeiwidriges im Werke wäre, und da gehörte ich auf den Plan. Ich bin nur froh, daß Alles so abgelaufen ist, denn es ist ein traurig Amt, der Gerechtigkeit in die Hände zu arbeiten, viel lieber schanz' ich der Geistlichkeit 'was zu.«

Den andern Tag erfuhr ganz Wellersgrün und auch die Neuhahner Mühle durch die getreue Dorfpost die unerwartete Kunde von der Aussöhnung der Meister Gottfried und Heinrich und des Letzteren Verlobung mit Hannchen. Der Verlobung folgte bald die Hochzeit, und als Heinrich im Besitze seines Schatzes war, ließ er nicht nur seinen Vogelherd wieder eingehen, sondern bekämpfte auch aufs Neue, jedoch mit mehr Behutsamkeit und Mäßigung, als jenen Sonntag, die Leidenschaft seiner Heimathgenossen für den Vogelfang. Der Schwiegervater wurde leichter, als sich erwarten ließ, durch die Großvaterfreuden bekehrt, und wenn ihm auch der Steiermärker, so lange er lebte, schon als Vermittler dieser Freuden lieb und werth blieb, so war sein Vogelherd doch bei der Taufe seines fünften Enkels bereits verfallen, und es kam ihm fast wie eine alte Sage vor, daß es einst in Wellersgrün einen Gimpelkönig gegeben und daß dieser Niemand anders gewesen als er selbst.


Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Wiederholte Anführungszeichen in Folgeabsätzen bei gleichem Sprecher wurden entfernt.