»Hörst du nicht die Vöglein singen
Abends von der Donau her,
Wie sie dir die Botschaft bringen
Daß mein Herz nicht läßt von dir!«
da wird er so gerührt, so von Entzücken hingerissen, daß es ein Blinder wahrnehmen möchte, geschweige denn die scharfsichtige Liebe. Kaum hatte der Steiermärker ausgesungen, so ergriff Heinrich den Käfig und reichte ihn dem Lauschenden mit den Worten: »Nehmen Sie den Vogel, Meister Unger; er war längst für Sie bestimmt und alle meine Vögel sollen Sie haben – seien Sie nur wieder gut mit mir!« Und Hannchen warf sich an die Vaterbrust und bat mit für den Geliebten und für sich selbst: »Du siehst, ich that Deinen Willen, aber ich wurde ertappt, und da ich Dir für mein Leben gern die Beeren verschaffen wollte, an denen Dir so viel gelegen schien, so unterwarf ich mich der Bedingung, unter welcher ich sie allein retten konnte: ich löste sie aus.«
»Und das ist Dir gewiß nicht sauer geworden, Du Taubenschnabel!« fiel ihr der Alte ins Wort. Dann wendete er sich an Heinrich: »Er will mir den Steiermärker wirklich lassen?« fragte er.
»Den Steiermärker sammt meinem ganzen Reichthum an Gimpeln.«
»Und was will Er dafür haben?«
»Für Geld sind mir die Vögel nicht feil – schenken Sie mir Ihre Freundschaft!«
Das war für den Gimpelkönig zu viel. Er fühlte, wie schwer er den jungen Mann gekränkt hatte – und doch schenkte derselbe ihm jetzt den unschätzbaren Steiermärker – solche Großmuth hätte einen Botokuden rühren müssen – er richtete sich in die Höhe und sagte: »Von einem fremden Menschen kann ich kein Geschenk nehmen, Meister Sacher.«
»O so lassen Sie das Fremdsein zwischen uns aufhören – machen Sie mich zu einem Gliede Ihrer Familie – zu Ihrem Sohne!«
Hannchen umschlang mit dem Bittenden zugleich den mit seinem Ausspruch Zögernden – da trat das bis jetzt versteckt gebliebene Rußbuttenlobel leise hinter ihn, intonirte, und der Steiermärker sang: »Hörst Du nicht die Vöglein singen.« Da war von einem längern Widerstande gegen die Bitten der Liebenden keine Rede.