– Ach, Herr Advokat, diese Verse – o wie schön, wie groß, eine verbannte, verfolgte Frau zu besingen!
Ferenz starrte die Köchin an – diese Worte waren nicht in dem gewöhnlichen Dialecte der Landleute gesprochen. – Und welche Empfindung verriethen sie! –
Die Gräfin Thekla Andrasy hatte ihre Maske vergessen. Doch schon im nächsten Augenblicke erinnerte sie sich wieder daran. Rasch trat sie zum Tische und setzte das Kaffee-Serviçe nieder, dann wollte sie sich entfernen. Doch ehe sie noch die Thür erreicht hatte, ließ sich ein Trommelwirbel in der Straße vernehmen. Thekla mußte sich an dem nahestehenden Stuhle halten, um nicht zu Boden zu sinken.
– Diese Angst, diese Verwirrung! rief Ferenz. Wer bist Du – Wer sind Sie? fügte er rasch hinzu.
– Lassen Sie mich! lassen Sie mich! Ein augenblicklicher Schwindel – er ist vorüber.
– Allmächtiger Gott, Sie zittern vor diesem Geräusch – Und diese Züge, die ich schon im Bilde gesehen – Nein, nein, Sie sind nicht, was Sie scheinen – Sie sind die Gräfin Thekla Andrasy!
Die Gräfin erhob sich wieder. Angst und Besorgniß schienen plötzlich verschwunden zu sein, denn aus ihren Augen strahlte das Feuer des Muthes, der große Geist, der Gefahren trotzt – die Schwäche der Frau war besiegt.
– Ja, ich bin es, sagte sie stolz. Ihre Hand, mein Herr, dem Dichter darf ich mich vertrauen – ich bin die flüchtige Thekla, auf deren Kopf man dreitausend Ducaten gesetzt hat.
– O mein Gott, rief Ferenz, dies ist der schönste Lohn, der je einen Dichter krönen konnte! Bauen Sie fest darauf, daß ich mit meinem Leben bereit bin, Sie den Verfolgungen Ihrer rachsüchtigen Feinde zu entziehen!
– Wissen Sie, was der Trommelwirbel bedeutet?