– Du glaubst es nicht, aber ich glaube es! Wer hat die Kuh erschossen, die sich einmal an unsern Gartenzaun verirrt hatte? Wer hat dem Müller die Fenster eingeworfen, als er Dir wehrte, einen Hasen bis in seinen Garten zu verfolgen? Wer hat am letzten Sonntag in der Schenke den Musikanten die Instrumente zertrümmert, als sie nach Mitternacht nicht mehr spielen wollten, weil sie sonst in Strafe genommen werden? Du, lüderlicher Neffe. Und wer muß das Alles bezahlen? Ich, Dein unglücklicher Vetter! Aber jetzt werde ich einmal selbst Gerechtigkeit üben, denn Du weißt doch, daß ich nicht mehr Schulmeister, sondern Dorfrichter bin? Ich werde Dich hängen lassen!

Des Jägers Züge verzogen sich zu einem mitleidigen Lächeln, ruhig gab er zur Antwort:

– Lieber Vetter, wenn Sie Sich nicht selbst in der ganzen Gegend blamiren wollen, so beobachten Sie ein tiefes Schweigen über die Jugendthorheiten Ihres Neffen, und zahlen ganz ruhig, was zu zahlen ist. Damit Sie aber sehen, daß ich es gut mit Ihnen meine – –

– Herr Gott im hohen Himmel, rief zornbebend Valentin und strich sich seine langen Haare hinter die Ohren – dieser Mensch meint es noch gut mit mir! Nein, da möchte man doch den Verstand verlieren! Ich habe mindestens einen Schadenersatz von zweihundert Thalern zu zahlen, woran er Schuld ist, und nun will er es noch gut mit mir meinen.

– Lassen Sie mich nur ausreden, lieber Vetter, und Sie werden mir Recht geben. Also zweihundert Thaler haben Sie für mich zu zahlen?

– Ich muß sie zahlen, wenn ich mich bei dem Antritte meines neuen Amtes nicht gleich blamiren will – Mensch, woher soll ich das Geld nehmen.

– Nun sehen Sie einmal ihren Geiz, lächelte ruhig der Jäger. Diese Summe bringt einen Mann wie Sie nicht in Verlegenheit!

– Mensch, mache mich nicht rasend! rief der Dorfrichter und sprang mit beiden Füßen zugleich empor, daß er mit dem Kopfe fast an die Decke stieß. Ich bin arm, arm wie eine Kirchenmaus!

– Aber das Geld muß dennoch bezahlt werden, denn der Ortsrichter muß seinen Bauern mit einem guten Beispiele vorangehen.

– Leider, leider, stammelte Valentin, muß es bezahlt werden!