Der Jäger ergriff ihre Hand und zog sie leise auf den Stuhl zurück.
– Bleiben Sie, schöne Marie, sagte er so sanft, als es seine tiefe Stimme erlaubte, es ist noch Zeit genug, Licht zu holen – berauben Sie uns jetzt Ihrer Gegenwart nicht.
– Womit kann ich den Herren dienen? fragte sie in einem Tone, der deutlich den peinlichen Zustand verrieth, in den sie die Berührung des Jägers gesetzt hatte.
– Marie, sagte der Richter, Sie wissen, daß große Umwege meine Sache nicht sind, ich steuere stets direct auf mein Ziel los. Und dies muß nach meiner Ansicht auch ein Mann, der die höchst wichtige und einflußreiche Würde eines Ortsrichters bekleidet. Ich habe keine leiblichen Kinder, meine ganze Familie besteht aus meiner kleinen Mündel und meinem Neffen, dem gräflichen Revierförster Eberhard. Um nun nach Pflicht und Gewissen für die Zukunft meiner Pflegebefohlenen zu sorgen, habe ich mich mit Gott zu dem gegenwärtigen Besuche entschlossen.
– Und der Zweck dieses Besuches? fragte Marie kaum hörbar, da ihr die Angst die Brust zusammenschnürte.
– Marie, sagte der Richter mit feierlicher Stimme, ich bin gekommen, um für meinen Neffen Eberhard um Ihre Hand zu werben.
– Und ich, fügte der Jäger hinzu, um meine Bitte, die sich auf Achtung und Liebe gründet, mit der Werbung meines Vetters zu vereinigen.
Marie antwortete nicht, eine ängstliche Pause trat ein, und beide Theile segneten im Stillen den Umstand, daß das Zimmer dunkel war.
– Nun, liebe Mündel, begann betonend der Ortsrichter wieder, was haben Sie auf unsern Antrag zu antworten? Nicht wahr, das hätten Sie wohl nicht erwartet?
– Nein! antwortete Marie, und ihre Angst schien plötzlich verschwunden zu sein, denn sie sprach dieses Wort mit einer Unbefangenheit, die Valentin und Eberhard für eine freudige Zustimmung hielten.