– Das habe ich mir gedacht! rief lachend der Richter, indem er seine großen Hände rieb, daß es laut rauschte. Nicht wahr, mein Eberhard ist ein schmucker Bursche?

– Marie! rief Eberhard und wollte ihre Hand ergreifen.

– Herr Vormund, sagte das junge Mädchen, indem es aufstand, Ihr Antrag schmeichelt meinem Herzen und meiner Eitelkeit, denn Sie denken mir eine Ehre zu, an die ich nimmer geglaubt hätte – trotzdem aber kann ich Ihren Antrag nicht annehmen!

– Warum? fragten beide Männer zugleich.

– Weil mein Herz meine Hand schon versprochen hat! antwortete Marie in einem festen Tone.

– So, rief der Richter erstaunt – und ohne mein Wissen? Wer ist denn dieser heimliche Liebhaber?

– Der Mann, den ich liebe, und dem ich meine Hand versprochen, ist Konrad, mein junger Nachbar.

Vetter und Neffe konnten ihrem neuen Erstaunen keine Worte verleihen, da ihnen eine Magd, die in diesem Augenblicke Licht in das Zimmer brachte, Schweigen auferlegte. Marie, deren liebliches Gesicht wie eine Rose im Frühlinge glühete, trat der Magd entgegen, nahm ihr das Licht ab und verabschiedete sie wieder durch ein Zeichen mit der Hand. Dasselbe Licht, das jetzt dem Jäger das reizende Mädchen zeigte, hatte Konrad durch das Fenster schimmern sehen, der leise seinen Gruß flüsternd vorüberging.

Als ob der Gruß des Geliebten, den Marie noch in weiter Ferne wähnte, eine wunderbare Kraft geäußert, stand sie mit freundlichen, aber entschlossenen Mienen vor den beiden Männern, die Blicke der Verlegenheit und des Aergers wechselten. Der Jäger nahm zuerst das Wort wieder.

– Demnach hätte ich einen Korb erhalten? fragte er mit einem stechendem Blicke.