„Welche Brust, sie sei alt oder jung, weitet sich nicht, um die frischen Düfte des Frühlings einzusaugen, die in jedes Herz himmlischen Frieden bringen; eine Sehnsucht, die eine selige Ahnung von Gott und seiner Liebe sein muß. (Dieser Frühlingsduft wird wie ein Atemzug Gottes genossen.) Kann jetzt noch etwas Böses in unserm Herzen wohnen? Können wir nicht verzeihen? O doch! Wir müssen es jetzt, nachdem die Liebesstrahlen der Frühlingssonne die kühlende Schneedecke von Natur und Herz fortgeküßt haben. Wir warten darauf und sehnen uns danach, den schneefreien Boden grünen zu sehen; die guten und liebevollen Taten des guten und warmen Herzens zu begrüßen; Friede und Seligkeit sich durch die ganze Natur verbreiten zu sehen.‟

— Verzeihen? Ja gewiß, wenn man nur sein Benehmen änderte und ihn freigab. Aber man verzieh ja ihm nicht! Mit welchem Recht forderte man dann Nachsicht von seiner Seite? Mit welchem Recht? Es müßte doch gegenseitig sein!

„Johan, Du glaubst in der Natur und durch die Vernunft Gott auf eine bessere Art aufgefaßt zu haben, als Du es bisher getan hast, da Du an Christi Gottheit und die Bibel glaubtest; aber Du begreifst die Idee nicht mit Deinen eigenen Gedanken. Du hast nur den Schatten aufgefaßt, den das Licht hinter einen Gegenstand wirft, aber nicht die Hauptsache, das Licht selbst. Du glaubst, ein wahrer Gedanke wird den Menschen immer veredeln; das ist aber leider nicht der Fall; das merkst du wohl selber in Deinen bessern Augenblicken. Mit Deinen frühern Ansichten konntest Du einen Fehler bei einem Mitmenschen verzeihen; Du konntest eine Sache von ihrer guten Seite auffassen, wenn sie auch böse zu sein schien. Wie aber steht es jetzt? Du bist heftig und bitter gegen eine liebevolle Mutter; Du beurteilst unzufrieden die Handlungen Deines zärtlichen, erfahrenen, grauhaarigen Vaters.‟

— Mit seinen früheren Ansichten konnte Johan nie einen Fehler bei jemandem verzeihen, am wenigsten bei sich selbst; manchmal bei andern; aber das war dumm. Das war ja schlaffe Moral! — Eine liebevolle Mutter? Die liebevoll? Wie kam Axel zu dieser Ansicht? Sie hatten ja die harte Frau zusammen kritisiert! Und einen zärtlichen Vater? Warum sollte er dessen Handlungen nicht beurteilen? Hart gegen hart in Selbstverteidigung! Nicht noch die linke Backe hinhalten, wenn die rechte brennt.

„Früher warst Du ein anspruchsloses, liebenswürdiges Kind; jetzt aber bist Du ein selbstsüchtiger und eingebildeter Jüngling.‟

— Anspruchslos? Doch, das war er sicher; gerade darum wurde er geduckt; jetzt aber fühlte er seine rechtmäßigen Ansprüche! — Eingebildet! Haha! Der Lehrer fühlte sich von dem undankbaren Schüler vernachlässigt.

„Deiner Mutter warme Tränen strömen über ihre Backen...‟

— Meiner Mutter? Habe keine Mutter! Und die Stiefmutter weint nur, wenn sie böse ist! Wer zum Teufel hat das diktiert?

„... wenn sie in der Einsamkeit an Dein hartes Herz denkt...‟