— Ja, sagte Johan, entweder nicht tun, was man bereut; oder nicht bereuen, was man tut!

— Das letzte ist besser!

— Aber ich bereue doch! Bereue eine gute Handlung, denn es wäre unrecht, zu heucheln. Mein neues Gewissen sagt mir, daß ich recht habe; und mein altes Gewissen, daß ich unrecht habe. Ich kann keinen Frieden mehr finden!

Das konnte er auch nicht. Sein neues Ich stand auf gegen sein altes, und sie lebten in Uneinigkeit, wie unglückliche Ehegatten, sein ganzes Leben hindurch, ohne sich trennen zu können.

Die Reaktion gegen das Alte, das ausgerodet werden sollte, brach in heftigen Angriffen hervor. Die Furcht vor der Hölle war fort, Selbstentsagung war Einfalt, und die Natur des Jünglings nahm sich ihr Recht. Als Konsequenz entstand eine neue Moral, die er auf sein Gefühl hin so formulierte: was keinem Mitmenschen schadet, ist mir erlaubt. Er fühlte, der Familiendruck war ihm schädlich und niemandem nützlich: so erhob er sich gegen diesen Druck. Den Eltern, die ihm nie Liebe erwiesen, aber auf Dankbarkeit pochten, weil sie ihm aus Gnade und unter Demütigung sein gesetzliches Recht gaben, zeigte er nun seine wirklichen Gefühle. Sie waren ihm antipathisch: er zeigte ihnen Kälte. Auf die ununterbrochenen Angriffe gegen das Freidenkertum antwortete er frank und frei, vielleicht übermütig. Sein halbgebrochener Wille begann sich zu erheben, und er sah ein, daß er vom Leben Rechte zu fordern habe.

Der Ingenieur, dem man die Rolle des Bösen zuerteilte, wurde verflucht und von der Freundin bearbeitet, die jetzt einen Freundschaftsbund mit der Mutter geschlossen. Der Ingenieur war der Frage nicht auf den Grund gegangen: indem er Parkers Kompromiß annahm, hatte er die Selbstverleugnung des Christentums beibehalten. Man sollte liebevoll und verträglich sein, Christi Beispiel folgen und so weiter. Johan hatte alles fortgeworfen und geriet jetzt in Gegensatz zu seinem Lehrer. Von der Freundin, für die er eine stille Neigung nährte, aufgefordert, über die Konsequenzen seiner Lehren erschrocken, schrieb der Ingenieur diesen Brief nieder. Furcht vor dem Feuer, das er entzündet, Liebe zur Freundin, Freundschaft für den Schüler, aufrichtige Überzeugung hatten den diktiert.

„An meinen Freund Johan!

Wie froh begrüßen wir den Frühling, der uns jetzt mit seiner göttlichen Frische berauscht und mit seinem herrlichen Grün entzückt! Die Vögel stimmen ihre heiteren und leichten Melodien an, Leberblümchen und Anemonen stecken schüchtern ihre Köpfchen heraus, unter den flüsternden Zweigen der Tanne.‟

— Es ist doch merkwürdig, dachte Johan beim Lesen, wie dieser natürliche Mann, der so einfach und wahr spricht, so schwülstig schreiben kann. Dies ist unwahr.