Ich habe genug von Beichtvätern und Inquisitoren, dachte Johan. Seine Seele war gerettet und er fühlte sich frei. Sie streckten die Krallen nach ihm aus, aber er floh. Der Brief des Freundes war unwahr und gemacht; er fühlte Esaus Hände. Er antwortete nicht, sondern brach den Verkehr mit Freund und Freundin ab.
Sie nannten ihn undankbar. Wer auf Dankbarkeit pocht, ist schlimmer als ein Gläubiger; er gibt erst ein Geschenk, mit dem er prahlt, um dann später die Rechnung zu schicken. Diese Rechnung kann nie bezahlt werden, denn ein Gegendienst soll die Dankbarkeitschuld nicht tilgen können; das ist eine Einschreibung auf die Seele eines Menschen, die nicht bezahlt werden kann und sich übers ganze Leben erstreckt. Nimmst du einen Dienst an, so verlangt der Freund, du sollst dein Urteil über ihn fälschen; seine eignen schlechten Handlungen wie die seiner Frau und seiner Kinder loben.
Aber Dankbarkeit ist ein tiefes Gefühl, das den Menschen ehrt und das ihn erniedrigt. Mögen wir dahin kommen, daß wir für eine Wohltat, die vielleicht nur eine Pflicht und Schuldigkeit war, nicht durch Dankbarkeit gebunden sind.
Johan schämte sich über den Bruch mit den Freunden; aber er fühlte, daß sie ihn zurückhielten und unterdrückten. Übrigens: was hatten sie ihm an Freude des Verkehrs geschenkt, das er ihnen nicht zurückgegeben hätte?
Fritz, so hieß der Freund mit dem Kneifer, war ein kluger Weltmensch. Beide Worte, klug und Weltmensch, hatten damals eine häßliche Bedeutung. Klug sein während der spätromantischen Epoche, als alle etwas gestört waren — das war ein Zeichen der Oberklasse — klug sein war damals gleichbedeutend mit etwas schlecht sein. Ein weltlicher Mensch sein, während sich alle, so gut sie konnten, in den Himmel zu schmuggeln suchten, war noch schlimmer. Fritz war klug. Er wollte sein einziges Leben gut und angenehm leben; Karriere machen und so weiter. Darum suchte er die Vornehmen auf. Das war klug, denn die hatten Macht und Geld. Warum sollte er sie nicht suchen?
Wie er dazu kam, sich um Johan zu kümmern? Vielleicht animalische Sympathie, vielleicht vieljährige Gewohnheit. Interessen konnte Johan nicht fördern, höchstens daß er ihm vorsagte und mit seinen Büchern aushalf. Fritz bereitete sich nämlich niemals vor und kaufte Punsch für das Geld, das für Bücher bestimmt war.
Als Fritz jetzt sah, daß Johan inwendig gesäubert und sein äußerer Mensch präsentabel sei, führte er ihn in seinen Kreis ein. Es war ein kleiner Kreis von teils vermögenden, teils vornehmen jungen Leuten aus der Klasse, in die Johan ging. Der war zuerst etwas schüchtern gegen die netten Herren; bald aber wurde er vertraut mit ihnen. Eines Tages kommt Fritz, um Johan zu erzählen, er sei zu einem Ball geladen.
— Ich auf Ball, bist du verrückt? Dazu tauge ich nicht!
— Solch ein netter Bursche, wie du bist, wird Glück bei den Mädchen machen.