— Aber das Spiel kann ernst werden.

— Das kommt auf uns an! antwortete er und gehorchte.

Aber er fand es frech vom Chef, sich in solche Einzelheiten zu mischen. Ein gewisser Unwille des Vorgesetzten verfolgte ihn seitdem. Der wurde Doktor genannt, weil er für Zeitungen schrieb; aber er war nicht einmal Student. Da haben wir's, dachte Johan; er will mich ducken. Und jetzt bewachte er ihn. Die Abneigung dauerte auf beiden Seiten das Leben hindurch.

Die Scharfschützenbewegung war zunächst vom deutsch-dänischen Krieg hervorgerufen worden und hatte einen gewissen Nutzen, wenn sie auch vorübergehend war. Sie machte der Jugend Vergnügen und nahm dem Militär etwas von seinem allzu hohen Ansehen, da die unteren Klassen jetzt sahen, daß es nicht so schwer ist, Soldat zu spielen. Später war diese Einsicht Ursache, daß man gegen die preußische Wehrpflicht stimmte, für deren Einführung viel agitiert wurde, seit König Oscar II. in Berlin Kaiser Wilhelm I. gegenüber die Hoffnung ausgesprochen, die schwedischen und preußischen Truppen würden noch einmal Waffengenossen werden.


9.
Er ißt fremdes Brot.

Ein kühner Traum war ihm in Erfüllung gegangen: er hatte eine Stellung für den Sommer erhalten. Warum nicht früher? Er hatte es nicht zu hoffen gewagt; also sich nicht darum bemüht. Was er recht lebhaft wünschte, danach wagte er nicht die Hände auszustrecken, aus Furcht, eine Enttäuschung zu erleben. Eine vereitelte Hoffnung war das schwerste, was er sich denken konnte. Jetzt aber schüttete das Glück auf einmal sein ganzes Füllhorn über ihn aus: die Stellung war in einem vornehmen Hause, das in der schönsten Natur lag, die er kannte: im Stockholmer Inselmeer; und zwar in der poetischesten Gegend des ganzen Inselmeers: Sotaskär hieß sie.

Er liebte jetzt die Vornehmen. Die Stiefmutter hatte ihn schlecht behandelt; die Verwandten standen immer auf der Lauer, Hochmut bei ihm zu entdecken, wo nur überlegener Verstand, Edelmut und Opferwilligkeit war; die Kameraden bei den Scharfschützen hatten sich bemüht, ihn zu ducken: all das hatte ihn von der Klasse verjagt, aus der er gekommen war; er dachte nicht mehr wie sie, fühlte nicht mehr wie sie; hatte eine andere Religion, andere Begriffe vom Leben. Seinen Schönheitssinn hatte das maßvolle Wesen der vornehmen Kameraden, ihre harmonische Art und ihr sicheres Auftreten angesprochen; er fühlte sich ihnen durch seine Erziehung näher und der Unterklasse ferner. Ihm schienen die Vornehmen nicht so hochmütig wie die Bürgerlichen zu sein; sie räkelten sich nicht, traten andere nicht; schätzten Bildung und Talent; sie waren in gewisser Weise, da sie ihn als ihresgleichen aufnahmen, demokratischer gegen ihn als seine Verwandten, die ihn wie einen recht Untergeordneten, Unterlegenen behandelten.

Fritz zum Beispiel, der ein Müllersohn vom Lande war, wurde beim Kammerherrn empfangen und spielte mit den Söhnen Komödie vor dem Direktor des Königlichen Theaters, der ihm Engagement anbot: niemand fragte, was sein Vater gewesen sei. Als Fritz aber einmal in Johans Elternhaus auf Ball war, wurde er von vorn und hinten untersucht; und mit großem Vergnügen hatte ein Verwandter auskundschaftet, Fritzens Vater sei zuerst nur Müllerknecht gewesen.