Sie kamen in den großen Saal. Doch, es war ein richtiges Schloß. Steinfußboden; die Decke aus Holz geschnitzt; Fensternischen, tief wie kleine Zimmer; ein Kamin, in dem ein Klafter Holz Platz hatte; ein Klavier auf drei Füßen; eine Krone, deren Gläser so groß wie Pfefferkuchen waren; schwarze Porträts an den Wänden. Es war ganz, wie es sein sollte.
Das Essen war vorbei und Johan fühlte sich heimisch. Am Nachmittage spielte er Brett mit dem Baron und trank Grog. Alle Artigkeiten, die er sich ausgedacht, wurden eingestellt. Und als sein Tag zu Ende ging, war er sehr zufrieden damit.
In der großen Allee drehte er sich um und sah auf das Schloß zurück. Es sah jetzt nicht mehr so stattlich aus; beinahe dürftig. So paßte es besser für ihn, aber dieses Märchenschloß vom andern Ufer war schöner anzusehen. Jetzt hatte er nichts mehr, zu dem er hinaufsehen konnte. Aber er stand nicht mehr so tief unten. Vielleicht war es doch angenehmer, etwas dort oben zu haben, nach dem man gaffen konnte!
Als er nach Hause kam, wurde er von der Freiherrin ausgefragt.
— Wie finden Sie den Baron?
— Er ist nett und herablassend.
Johan war schon so klug, die Bekanntschaft mit dem Vater zu verschweigen. Das werden sie doch schon erfahren, dachte er. Ihm war jetzt etwas wärmer in den Kleidern, und er war nicht mehr so demütig.
Eines Tages lieh er sich ein Reitpferd vom Sekretär, ritt aber so wild, daß die Pferde beim nächsten Male nicht zu haben waren. Da schickte er einen Jungen von den Instleuten ins Kirchspiel, um ein Pferd zu mieten. Es war ein stolzes Gefühl, so hoch zu sitzen und dahin zu eilen; es war, als habe er eine neue Kraft bekommen.
Illusionen hatten sich zwar aufgelöst, aber es war doch angenehm, auf dem gleichen Niveau zu stehen, ohne daß man einen hatte herunterreißen müssen. Er schrieb an den Bruder nach Haus und prahlte. Bekam aber eine abweisende Antwort. Da er allein war und mit niemandem sprechen konnte, schrieb er ein Tagebuch an den Freund. Der hatte eine Stellung bei einem Kaufmann am Mälarsee gefunden, bei dem es Mädchen, Musik, Jugend und gutes Essen gab. Johan wünschte zuweilen an dessen Stelle zu sein; er hatte die Empfindung, als sei er in eine unglückliche Familie gekommen. Im Tagebuch suchte er die Wirklichkeit umzudichten, und es gelang ihm auch, den Neid des Freundes zu erregen.