Die Geschichte, daß der Baron Johans Vater kannte, verbreitete sich. Die Baronin glaubte schlecht von ihrem Bruder sprechen zu müssen. Johan hatte schon so viel Verstand, daß er einsah, hier lag etwas aus einem Majoratstrauerspiel vor. Da das ihn aber nichts anging, wollte er auch nicht danach forschen.
Bei einem Besuche im Pfarrhaus hörte der Unterpfarrer von Johans Plänen, Geistlicher zu werden. Da der Pfarrer aus Altersschwäche zu predigen aufgehört hatte, war sein Vertreter der einzige, der den Dienst versah. Und der fand die Arbeit so schwer, daß er nach jungen Studenten fahndete, die debütieren wollten. Er fragte Johan, ob er nicht einmal predigen möchte. — Aber er sei ja noch nicht Student. — Das tue nichts. — Hm! Er wolle es sich überlegen!
Der Unterpfarrer ließ nicht locker. Hier hätten schon so viele Studenten und Gymnasiasten gepredigt; ja, die Kirche habe einen gewissen Ruf, weil der berühmte Schauspieler Knut Almlöf dort in seiner Jugend gepredigt habe. — Menelaus? In der „Schönen Helena‟? — Eben der! — Das Evangelienbuch wurde aufgeschlagen, Postillen geliehen, und Johan versprach, sich am Freitag einzufinden, um die Predigt zu probieren.
Ein Jahr nach der Konfirmation sollte er also auf die Kanzel steigen und im Namen des Herrn sprechen; und die andern, sein Hausherr, die Baronin, die Mädchen, würden als andächtige, demütige Zuhörer dasitzen. Schon am Ziel, so schnell, ohne theologisches Examen, ja sogar ohne Studentenprüfung. Mantel und Kragen würde er leihen, das Stundenglas umkehren, Vaterunser beten, die Aufgebote vorlesen. Das stieg ihm zu Kopf; er wuchs um eine halbe Elle. Als er wieder nach Haus fuhr, war er überzeugt, daß er kein Knabe mehr sei.
Zu Hause aber erwachten die Bedenken. Er war ja Freidenker. War es ehrlich, zu heucheln? Nein, nein! Aber sollte er darum verzichten? Das war ein zu großes Opfer. Die Ehre winkte; vielleicht konnte er auch einige Samen freier Gedanken aussäen, die einst keimen würden. Ja, aber das war unehrlich! Er sah nämlich mit seiner alten Egoistenmoral auf die Absicht des Handelnden, nicht auf den Nutzen oder Schaden der Handlung. Es war nützlich für ihn, zu predigen, und es war nicht schädlich für andere, ein neues, wahres Wort zu hören: also... Aber es war nicht ehrlich! Er kam nicht davon los. So erleichterte er sein Gewissen bei der Baronin.
— Meinen Sie, der Geistliche glaubt an alles, was er sagt?
Das sei Sache des Geistlichen, er aber könne nicht.
Schließlich ritt er nach der Pfarre und bekannte kurz. Der Unterpfarrer war wenig erfreut, sein Vertrauen entgegennehmen zu müssen.