Sie können auch aus Notwehr lügen. Sie wissen, daß sie bei einem Nein frei ausgehen und daß sie bei einem Ja Schläge bekommen.

Sie können auch lügen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Es ist eine der ersten Entdeckungen des erwachenden Verstandes, daß ein glücklich angebrachtes Ja oder Nein recht nützlich sein kann.

Das Häßlichste ist, wenn sie sich gegenseitig beschuldigen. Sie wissen, der Fehltritt wird bestraft werden, einerlei an wem. Es kommt also darauf an, einen Sündenbock zu finden. Da hat die Erziehung schuld. Diese Strafe ist reine Rache. Der Fehltritt soll nicht bestraft werden, denn das heißt, noch einen Fehler begehen. Der Übeltäter soll gebessert werden; belehrt werden, um seiner selbst willen den Fehltritt nicht wieder zu begehen.

Diese Gewißheit, daß der Fehltritt bestraft wird, ruft die Furcht beim Kinde hervor, daß es für den Schuldigen gehalten wird; so schwebte Johan in einer beständigen Furcht, man würde irgendeinen Fehltritt entdecken.

Eines Mittags besichtigt der Vater die Weinflasche, die Tante benutzte.

— Wer hat den Wein ausgetrunken? fragt er und sieht sich unter den Kindern um.

Niemand antwortet, aber Johan errötet.

— So, du bist es gewesen, sagt der Vater.

Da Johan niemals das Versteck der Weinflasche auskundschaftet hat, fängt er an zu weinen und schluchzt:

— Ich habe den Wein nicht ausgetrunken.