Der zweite Punkt war auch schwierig. Das Mädchen hatte ihn also rein geliebt, und er hatte sie nur besitzen wollen. Wie roh, wie gemein! Wie konnte er glauben, daß eine Kellnerin nicht unschuldig lieben kann! Seine eigene Mutter war ja in derselben Stellung gewesen wie dieses Mädchen! Er hatte sie gekränkt. Schäme dich, schäme dich!
Jetzt hörte er im Park halloen und seinen Namen rufen. Die Stimmen des Mädchens und des Lehrers hallten von den Bäumen wider, er aber antwortete nicht. Einen Augenblick fiel ihm sein ganzes Strafgerät aus den Händen; er wurde nüchtern und dachte: Ich gehe zurück, wir setzen das Abendbrot fort, holen Riekchen und trinken ein Glas mit ihr. Dann ist es vorüber. Aber nein! Er war zu hoch oben, und man kann nicht auf einmal hinabsteigen.
Die Rufe verstummten. Er blieb betäubt liegen und mahlte wieder und wieder an seinem doppelten Verbrechen. Er hatte gelogen und er hatte ihre Gefühle gekränkt.
Die Dunkelheit senkte sich. Es prasselte in den Büschen; er fuhr zusammen, geriet in Angstschweiß. Dann ging er weiter und setzte sich auf eine Bank. Dort saß er, bis es taute. Er fror und war feucht. Stand auf und ging heim.
Jetzt war sein Kopf klar, und er dachte. Wie dumm, diese ganze Geschichte! Es war ja nicht meine Absicht, daß sie mich für den Dichter halten sollte; ich war ja bereit, sie den Zusammenhang wissen zu lassen. Es war ja nur ein Scherz. Und ihre Gefühle, hm, so rein waren sie gerade nicht gewesen, als ich zu ihrem Fenster hinauskletterte. Übrigens dieser Lehrer hatte ihn ja auch angeführt. Aber das war einerlei!
Als er auf seine Kammer kam, lag der Lehrer in Johans Bett und schlief. Er wollte aufstehen, aber Johan sagte nein. Er wollte sich noch einmal geißeln. Er legte sich auf die Erde, nahm eine Zigarrenkiste unter den Kopf und breitete einen Scharfschützenmantel über sich.
Als er am nächsten Morgen erwachte, fragte Johan mit zitternder Stimme:
— Wie hat sie es aufgenommen?
— Sie hat gelacht, dann haben wir Punsch getrunken, und dann war es vorüber. Sie fand die Verse ganz festlich!