Der Dampfer fährt durch den Kanal; als er aber eine Schleuse passiert, schwingt sich der Veranstalter hinauf und verschwindet unter einem Hagelschauer von Flüchen.
Die Fahrt wird fortgesetzt, und um die Mittagszeit ist man im Götakanal. Auf dem Achterdeck wird der Mittagstisch gedeckt. Johan und seine Begleiter nehmen Quartier im Rettungsboot, das am Achter hängt, und essen ein einfaches Mittagsmahl aus dem Kasten des Bildhauers. Der Bildhauer, der auf einem Ballen im Ladungsraum geschlafen hat, ist bei guter Laune und kennt Stand und Namen aller Passagiere.
Der Mittagstisch ist jetzt besetzt. Präses ist der Schornsteinfegermeister mit Familie. Dann kommen Pfandleiher, Schenkwirt, Fuhrmann, Schlächter, Diener nebst Familie, eine Menge junger Ladenburschen und einige Dirnen. Johan leidet, als er gedämpfte Barsche und Erdbeeren, Rotwein und Sherry sieht, denn er ist durch Luxus schon so verdorben, daß er von einfacher Nahrung krank wird. Das ist die Oberklasse unter den Passagieren. Der Schornsteinfegermeister spielt den großen Herrn. Er verzieht das Gesicht über den Rotwein und schilt die Kellnerin; die erklärt aber, die Wirtin bestimme über die Waren. Der Diener des Reichsarchivs macht den Gelehrten und scheint als Beamter auf die Philister herabzusehen.
Beim Sherry werden Reden gehalten. Die Unterklasse vom Vorderdeck hängt an Relingen und Geländern und lauscht. Nach den Parias im Rettungsboot sieht niemand. Man weiß, daß sie da sind, aber man sieht sie nicht. Die weiße Mütze wünscht man wohl gern fort, denn es sitzen zwei Augen unter dem Schirm, die sehen, daß es keine bessern Leute sind. Johan empfindet das. Er ist aus dieser Klasse heraus, der er von Geburt angehört, aber er hat kein Essen und ist nichts. Er empfindet seine Unterlegenheit und ihre Überlegenheit. Sie haben gearbeitet, und darum essen sie. Ja, aber er hatte ebensoviel wie sie gearbeitet. Ja, aber nicht auf diese Art. Er arbeitete und hatte Ehre von seiner Arbeit, sie nahmen das schöne Essen und verzichteten auf die Ehre. Beides konnte man nicht haben.
Die Leute saßen da, gesättigt und fröhlich, tranken Kaffee und Likör und nahmen das ganze Achterdeck ein. Jetzt wurden sie kühn und machten Bemerkungen über die Gesellschaft im Rettungsboot. Die konnte nur schweigen und leiden, denn jene waren in der Mehrheit und Oberklasse, weil sie konsumierten.
Johan fühlte sich in einem Element, das nicht das seine war. Eine feindliche Luft war um ihn, ihm war schlecht zumute. Hier an Bord gab es keine Polizei, die ihm helfen würde; auf keine Gerechtigkeit konnte er sich berufen; kam es zu Händeln, würden alle ihn verurteilen. Er brauchte nur eine spitzige Antwort zurückzugeben, so würde er Schläge kriegen. Pfui Teufel, dachte er, dann lieber Offizieren und Beamten gehorchen: die würden niemals solche Tyrannen sein wie diese Demokraten.
Später versuchte er, auf Alberts Rat, sich ihnen zu nähern, aber sie waren unzugänglich.
Auf der Fahrt zwischen Venersborg und Göteborg kam es zum Ausbruch. Der Hunger nahm so bedenklich zu, daß man eines Mittags beschloß, in den Speisesalon hinunterzugehen, um vom Butterbrottisch zu essen. Johan und die Knaben gingen. Da waren so viel Leute, daß man kaum an den Tisch herankommen konnte. Johans Schüler behielt darum, und nach den Sitten seiner Klasse, den Hut auf. Der Schornsteinfeger erblickte den Hut.
— Hör mal, schrie er, ist dir das Zimmer etwa zu hoch?
Der Knabe tat, als verstehe er nicht.