Tiefer drang er dieses Mal nicht in die Sache ein, denn man hatte die Frage noch nicht aufgeworfen, ob man nicht allen die gleiche Bildung geben könne, oder ob überhaupt jemand herrschen solle.
Er war auf die schlimmste von allen Aristokratien gestoßen, auf die Oberklasse der Unterklasse, oder, wie sie mit einem häßlichen Namen genannt wird, den Philister. Eine schlechte Kopie der Oberklasse, stimmte er mit der Macht, äffte die Gewohnheiten der Vornehmen nach, bereicherte sich durch fremde Arbeit, zitierte Autoritäten, haßte Opposition, seinen stillen Widerspruch gegen die Oberen ausgenommen. Der Schornsteinfeger wurde reich durch die Elendesten von allen, der Fuhrmann durch die armen Kutscher und Gäule, der Pfandleiher hatte unbilligen Gewinn an der Not. Und so weiter.
Ein Lehrer dagegen, ein Arzt, ein Künstler konnte seine Arbeit nicht Sklaven überlassen; der mußte sie selbst verrichten, war also kein solcher Hai, wie die dort unten. Brachte nun die Bildung den Menschen Glück, machte Bildung die Menschen besser, so war diese Aristokratie berechtigt, wohltätig; konnte sich für besser halten. Aber die Bildung bekam man für Geld oder konnte sich zu ihr durchbetteln oder durchpumpen, wie so viele Studenten es taten. Dann war es keine Tugend wenigstens. Nein, das war es nicht, aber man mußte sich über den andern fühlen, wenn man mehr wußte und die Gesetze des Zusammenlebens so beobachtete, daß man niemanden kränkte. Für die wahre Demokratie blieb nur das Nivellieren übrig, auf daß niemand sich unten zu fühlen brauchte und niemand oben zu sein glaubte.
16.
Hinter dem Vorhang.
(1869)
Das schwedische Theater war zu dieser Zeit vielen Angriffen ausgesetzt, und wann wird das Theater nicht angegriffen? Das Theater ist eine Miniaturgesellschaft innerhalb der Gesellschaft, ebenso wie diese eingerichtet, mit Monarch, Ministern, Beamten, einer ganzen Reihe Volksklassen, die eine über der andern. Ist es da sonderbar, daß diese Gesellschaft immer den Angriffen der Unzufriedenen ausgesetzt ist?
Zu diesem Zeitpunkt aber hatten die Angriffe einen mehr praktischen Zweck. Ein früherer Provinzschauspieler hatte das Königliche Theater mit einer Broschüre beschossen, die höhere Gesichtspunkte nicht aufwies, aber den Erfolg hatte, daß der Autor in die Direktion berufen wurde. Das reizte zur Nachfolge, und viele schrieben jetzt Abhandlungen, um in die Direktion zu kommen.
Das Königliche Theater war damals wohl weder besser noch schlechter als früher. Aber, fragte man, ist das Theater eine Bildungsanstalt, für die es sich ausgibt, warum setzt man denn Ungebildete zu Leitern ein? Darauf antwortete man: Wir haben eben einen der gelehrtesten Männer des Landes, Hyltén-Cavallius, auf dem Posten gehabt, und wie ist es da gegangen? Trotzdem er den Vorteil besaß, nicht adelig zu sein, wurde er doch von der demokratischen Presse, die ihn von unten beim Rock riß, totgemacht. Heute (1886) ist die Utopie der Selbstregierung verwirklicht, das Theater hat einen Mann vom Bau an der Spitze, und nun ist die Zufriedenheit allgemein.
An dem bestimmten Tage ging Johan ins Theater, um sich zum Debüt anzumelden. Nachdem er etwas gewartet hatte, erlangte er Zutritt und wurde nach seinem Anliegen gefragt.