Eines Morgens erhielt er die Ladung, sich auf der Probe von Björnsons „Maria Stuart‟ einzufinden. Der Bote übergab ihm ein kleines blaues Heft, auf dem geschrieben stand: Ein Edelmann. Und inwendig auf einem weißen Blatt las er: „Die Lords haben einen Unterhändler gesandt, der eine Herausforderung an den Grafen Bothwell überbringt‟. Das war die ganze Rolle. Und das war also sein Debüt!

Zu der festgesetzten Zeit betrat er die kleine Hintertreppe und gelangte am Diener vorbei auf die Bühne. Zum ersten Male stand er hinter den Kulissen. Das war die Kehrseite. Ein großes Magazin mit schwarzen Wänden; ein zernagelter schmutziger Scheunenfußboden; und diese grauen Leinwandschirme mit ihrem rohen Holz!

Von hier hatte man ihm herrliche Szenen aus der Weltgeschichte gegeben, von hier hatte Masaniello gerufen: „Nieder mit den Tyrannen‟, während er zitternd im vierten Rang stand. Hier hatte Hamlet gehöhnt und gelitten; von hier hatte ja auch einmal Karl Moor sein Pfui über die Gesellschaft und die ganze Welt gerufen. Ihm wurde bange. Wie sollte man hier, beim Anblick des rohen Holzes und der grauen Sackleinwand, selber Illusion bekommen? Alles sah staubig und schmutzig aus; die Arbeiter waren arme Teufel; die Schauspieler und Schauspielerinnen sahen in ihren bürgerlichen Kleidern nach nichts aus.

Er wurde ins Foyer geführt, wo man erst eine halbe Stunde lang die Gavotte tanzte, die das Stück eröffnete. Es war volles Tageslicht. Auf einem Stuhl saß der alte Musiklehrer seiner Familie und strich die Geige. Der Ballettmeister schrie und schlug in die Hände. Man wurde aufgestellt. Das ist nicht verabredet, dachte Johan. Aber es war zu spät.

So befand er sich mitten in einem Wechseltanz, den er nicht konnte; wurde gestoßen und gescholten. Nein, das mache ich nicht mit, dachte Johan, aber er konnte nicht mehr zurück.

Ein Gefühl von Scham überkam ihn. Mitten am Vormittag tanzen: das war keine schöne Beschäftigung. Und dann vom Lehrer zum Schüler hinabsteigen; der Letzte hier sein: soweit war er noch nie zurückgegangen.

Es klingelte zur Probe. Man wurde auf die Bühne getrieben. Dort stellte man sich zur Gavotte auf. An der Rampe standen die großen Schauspieler, welche die Hauptrollen hatten; von dort zogen sich die beiden Reihen bis in den Hintergrund.

Das Orchester spielt. Der Tanz beginnt in langsamen feierlichen Rhythmen. Aber unten von der Rampe hört man die tiefen Stimmen der beiden Puritaner, die über die Verderbnis des Hofes ihr Wehe rufen.

Das war von ergreifender Wirkung; Johan fühlte, wie es ihn packte. Die Herren hatten Hüte, Mäntel und Stöcke, die Damen Mäntel und Muffe, aber es machte doch Eindruck.