Während er so daliegt, fühlt er ein ungewöhnliches Fieber im Körper; während dieses Fiebers arbeitet der Kopf daran, die Erinnerungen an die Vergangenheit zu ordnen, einige auszuscheiden und andere hinzuzufügen. Neue Nebenpersonen treten auf; er sieht, wie sie sich in die Handlung einmischen; hört sie sprechen. Es ist, als sehe er sie auf der Bühne.

Nach einigen Stunden hat er eine Komödie in zwei Akten fertig im Kopf.

Es war eine sowohl schmerzhafte wie wollüstige Arbeit; wenn man es eine Arbeit nennen kann, denn es ging ganz von selber, ohne seinen Willen, ohne sein Zutun.

Jetzt aber mußte es geschrieben werden.

In vier Tagen war das Stück fertig. Zwischen Schreibtisch und Sofa ging er hin und her; in den Zwischenstunden fiel er wie ein Lappen auf dem Sofa zusammen. Als das Stück zu Ende war, stieß er einen tiefen Seufzer aus, als seien Jahre von Schmerz vorüber; als sei ein Geschwür geschnitten. Er war so froh, daß es in ihm sang. Jetzt wollte er sein Stück dem Theater einreichen. Das war die Rettung!

Am selben Abend setzte er sich hin, um einem Angehörigen einen Glückwunsch zu schreiben, weil er eine Stellung gefunden. Als er die erste Zeile geschrieben hatte, schien sie wie ein Vers zu klingen. Da fügte er die zweite Zeile hinzu, die reimte auf die erste.

Schwerer war das nicht?

In einem Zuge schrieb er einen vier Seiten langen Brief in gereimten Versen nieder. Er konnte also auch Verse schreiben!

Schwerer war das nicht? Und einige Monate früher hatte er einen Freund gebeten, ihm bei Versen für einen Namenstag zu helfen; hatte aber eine ablehnende Antwort erhalten, die ihn jedoch ehrte: Er solle nicht im Mietswagen fahren, wenn er einen eigenen besitze.

Man wird also nicht geboren, Verse zu schreiben; man lernt es auch nicht, trotzdem man in der Schule alle Versarten lernt; sondern es kommt — oder kommt nicht.