Da Johan jetzt freien Eintritt ins Theater hatte, suchte er vom Zuschauerraum aus Studien zu machen. Aber siehe da, die Illusion war fort. Das war Herr X. und Frau Y., dort hing der Hintergrund aus „Quentin Durward‟, dort saß Högfelt, dort hinter der Kulisse stand Boberg. Es war aus mit der Illusion.
Und mit der kläglichen Rolle, an der er nun täglich wiederkäute, fand sich nach und nach der Ekel ein. Aber damit kam die Reue und die Furcht, daß er sich nicht mit Ehre aus dem Spiel ziehen könne. Endlich faßte er sich ein Herz und ersuchte um eine Probe. Das Stück war wohl fünfzig Male gespielt worden, und die großen Schauspieler liebten es nicht mehr; aber sie mußten kommen.
Die Probe fand statt, ohne Kostüm, ohne Requisiten. Johan war auf die damals übliche Schreimanier eingeübt, und er schrie wie ein Geistlicher. Es ging schlecht.
Nach der Probe verkündete der Lehrer das Urteil. Er solle in die Schauspielerschule eintreten. Nein, das wolle er nicht. Er weinte vor Grimm, ging nach Hause und nahm eine Kugel Opium, die er sich lange aufgehoben; sie wirkte aber nicht. Dann holte ihn ein Kamerad ab, und er trank sich einen Rausch.
17.
Er wird Dichter.
(1869)
Am nächsten Morgen war er zerschlagen, wund, zerrissen. Die Nerven zitterten noch; Scham und Rausch heizten den Körper. Was sollte er tun? Die Ehre mußte gerettet werden! Er wollte einige Monate als Eleve aushalten, um sich dann von neuem als Schauspieler zu versuchen.
Er blieb an diesem Tage zu Hause und las die „Erzählungen des Feldschers‟ von Topelius. Wie er so las, kam es ihm vor, als habe er es selber erlebt. Es handelte von einer Stiefmutter und einem Stiefsohn, die sich versöhnten. Der Bruch mit seinen Eltern hatte ihn immer wie eine Sünde gequält, und er verlangte nach Versöhnung und Frieden. Diese Sehnsucht nahm heute einen ungewöhnlich traurigen Ausdruck an; während er auf dem Sofa lag, begann sein Gehirn Pläne auszusinnen, wie die Disharmonie mit dem Elternhaus zu lösen sei. Als Frauenverehrer, der er damals war und unter dem Einfluß des „Feldschers‟ dachte er, nur ein Weib könne ihn mit dem Vater versöhnen. Und diese schöne Rolle gab er der Stiefmutter.